Ist das Recht auf Leben unantastbar? Oder wäre es nicht vernünftiger, notfalls Experten darüber entscheiden zu lassen, ob bestimmte Menschen weiterleben sollen oder nicht? Denn sowohl Kosten als auch die enorme psychische Energie für die Pflege von menschlichen Wesen, die zwar der Gattung Mensch angehören, aber nicht mehr "Person" sind, könnte man doch jenen zugutekommen lassen, die noch fähig sind, einen Lebensplan zu entwerfen? Eine erneute Diskussion dieser Fragen in Presse und philosophischen Fakultäten drängte die Autoren dieses Buches dazu, nachdrückliche Plädoyers für das Recht auf Leben zu verfassen, das wie bisher gesetzlich garantiert bleiben müsse. Anlass dieser Auseinandersetzung war unter anderem das starke Echo auf Peter Singers "Praktische Ethik", in der es wieder einmal um "lebenswertes" und nicht lebenswertes Dasein geht. Welche psychologischen und sozialpolitischen Folgen eine Umsetzung der" Praktischen Ethik" des australischen Philosophen nach sich ziehen könnte, ist eine der Argumentationsebenen der Beiträge. Zudem versuchen die Autoren ins Bewusstsein zu rücken, dass es keine übergeordnete Instanz gibt, die nach einer "vernünftigen Interessenabwägung" über Leben und Tod eines anderen Menschen entscheiden könnte. Denn die Definitionen von Vernunft und Gemeinwohl haben sich im Laufe der Geschichte geändert und dürften wohl auch weiterhin von den politischen, sozialen und ökologischen Gegebenheiten beeinflusst werden. Soweit die Argumente für den unbedingten Schutz menschlichen Lebens. Doch wie soll ein Arzt entscheiden angesichts von "Schwerstkranken, die wesentlicher Komponenten des Menschseins längst beraubt, (...) oder sogar von Geburt an zu einem Leben in steriler Abgeschiedenheit verdammt, über Jahre ein Scheinleben an medizinischen Apparaten verbringen"? Der Herausgeber wünscht sich, dass dieses Buch "mehr Fragen aufwirft, als es beantworten kann". 

Denken - Schreiben - Töten. Zur neuen "Euthanasie"-Diskussion. Hrsg. v. Till Bastian, Stuttgart: Hirzel, 1990. 142 S., DM 29,- / sFr 24,60 / öS 226,20