Der Journalist der (ehemaligen) Frankfurter Rundschau Jörg Schindler hat mit seinem Titel „Die Rüpelrepublik“ breites Aufsehen erregt. Das Buch hat hohe Auflagen erreicht und war lange in Bestseller-Listen zu finden. Beschrieben werden darin auf pointierte Art Dinge wie der zunehmende Egoismus der BürgerInnen, die Abnahme von Gemeinsinn und der Verfall von sozialem Zusammenhalt. Der Autor verbindet seine Alltagswahrnehmungen über die Zunahme der Ellbogenmentalität und des Ego-Denkens mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und empirischen Befunden. Als Schauplätze werden die deutschen Straßen, auf denen „das Faustrecht“ Einzug hält, ebenso beschrieben wie das Parkett von Politik und Wirtschaft, wo sich „Anstand immer weniger auszahlt“. Der überzogene Individualismus („Nichts als die Freiheit“ bekommt ebenso sein Fett ab wie das Fernsehen, das aus der „Tu- eine Guckgesellschafft“ gemacht habe, oder die „falschen Freunde“ der sozialen Netzwerke. Einige Abschnitte widmet Schindler dem sozialen Auseinanderdriften, der Zunahme der Reichen und deren „Verarmungswahn“, den Spaltungen am Arbeitsmarkt, „auf dem es immer noch einen gibt, auf den man herabschauen kann“ sowie den weiterhin grassierenden „Sündenbock“-Strategien. Gefährliche Tendenzen ortet der Autor auch im Gesundheitswesen, in steigenden Krankenständen und der Medikamentenflut („Warum viele von uns nur noch Pillen über die Runden kommen“). Schindler sieht und beschreibt aber auch Gegenbewegungen –Initiativen, in denen Menschen gemeinsam etwas aufbauen - etwa die Transition-Town-Bewegung (s. i. d. PZ) oder Projekte wie Gemeinschaftsgärten oder Solidarischer Landwirtschaft. Schindlers Plädoyer gilt einer „Gesellschaft des Vertrauens“, in der wir wieder Kontakt zu unseren Mitmenschen aufbauen, um auf dieser Basis „etwas an den Verhältnissen zu ändern“ (S. 245). Hans Holzinger

Schindler, Jörg: Die Rüpelrepublik. Warum sind wir so unsozial? Frankfurt: Fischer, 2013. 265 S. € 9,99 [D], 10,30 [A], sFr 12,20 ISBN 978-3-596-18916-8