Es kommt nicht oft vor, dass die Anregungen eines Rezensenten in Jahresfrist aufgegriffen und – es sei vorweg gesagt – mehr als ausgeräumt werden. Bei der Präsentation des 2006 erschienenen Titels „ZukunftsRadar“ (vgl. PZ 2006/3) hatte ich die allgemein verständliche, ja kurzweilige Einführung des Autors in die Methoden der Zukunftsforschung, vor allem aber die differenzierte Darstellung von „Zukunftsfaktoren“ positiv hervorgehoben, mich aber enttäuscht im Hinblick auf die konkrete Umsetzung von unternehmerischen Zukunftsszenarien geäußert. Mit dem nun vorliegenden, gleichermaßen großzügig wie übersichtlich und wiederum auch für Praktiker bestens geeigneten Band legt Pero Micic, Vorstand der FutureManagementGroup in Eltwille (vgl. www.futuremanagementgroup.com), nun in Fortführung und Ergänzung des „ZukunftsRadar“ ein passgenaues Instrumentarium vor, das es Firmen, aber auch „Lebensunternehmern“ – so werden in Zeiten der umfassend betriebswirtschaftlichen Weltbetrachtung an persönlicher Planung interessierte Menschen bezeichnet – ermöglicht, die Zukunft (ein Stück weit) treffsicher (und damit auch gewinnbringend) in den Blick zu nehmen.

 

Die Zukunft, genauer: Zükünfte setzen sich, so die nicht neue, aber plausibel aufbereitete Sicht des Autors, aus einer Fülle von Parametern oder Perspektiven zusammen. Um sie kenntlich zu machen und die ihnen innewohnenden Gestaltungspotenziale zu verdeutlichen, wählt Pero Micic die Metapher von „fünf Brillen“: Blau steht dabei für die „wahrscheinliche Zukunft“, jene Fülle von Annahmen, die aufgrund von Fakten, Trends und „Zukunftsfaktoren“ (wie etwa Alterung der Gesellschaft, demografischer Wandel, Klimawandel) mehr oder weniger gut begründbar und wahrscheinlich sind. Grün symbolisiert demgegenüber „Chancen“, sucht nach Optionen, die die Position im Wettbewerb, die Motivation der MitarbeiterInnen oder den persönlichen Lebensentwurf verbessern können. Gelb umschreibt „gestaltbare Zukunft“. Visions-Entwicklung, langfristige Ausrichtung; Überraschungen, unvorhersehbare Ereignisse, die der Zukunftsplanung abrupt zuwider laufen könnten, sind dagegen rot gefärbt. Sich mit ihnen zu beschäftigen heiße freilich nicht, den Teufel an die Wand zu malen, so Mi?i?, denn wer das mutmaßlich Unwahrscheinlichste vorweg nimmt, ist für das Unerwartete und Neue besser gerüstet. Violett schließlich steht für „Strategie-Entwicklung, die die Erreichung der Ziele auch gewährleisten soll.“

 

Dieses– methodisch simple und allgemein anwendbare Konzept, bietet – so mein Eindruck – eine überzeugende und vor allem praktikable Hilfestellung bei der Abklärung von Chancen, Risken und Potenzialen unternehmerischer (wie auch persönlicher) Zukunftsplanung für all jene, die sich der Aufgabe auch stellen. Das Konzept wurde, so der Autor, mehr als 800 Mal von führenden Unternehmen, aber auch von Kommunen erprobt. So wichtig Expertise und Moderation auch sein mögen: Unerlässlich ist die Mitwirkung aller Betroffenen – von der Unternehmensleitung bis hin zum Team. Die Selbsterprobung dabei nicht nur zu empfehlen, sondern auch zu ermöglichen, zählt für mich mit zu den Stärken dieses Titels: Indem jede der fünf „Zukunftsbrillen“ nach gleich bleibender Struktur (Überblick, Fallbeispiele, Sinn und Zweck, Denkobjekte, Prinzipien, Denkhaltung und Methodik) dargelegt wird, erschließt sich Schritt für Schritt ein Instrumentarium unternehmerischen Zukunftsmanagements. In dieser Hinsicht ein empfehlenswerter, ein exzellenter Band. Dass freilich darüber hinaus gehende Aspekte einer ökologisch, sozial und politisch nachhaltigen Entwicklung nicht angesprochen werden, bleibt kritisch anzumerken (und verweist auf die Diskrepanz zwischen Zukunftsmanagement und Zukunftsforschung). Doch ist dies gewissermaßen „ein anderes Thema“. W. Sp.

 

Micic, Pero: Die fünf Zukunftsbrillen. Chancen früher erkennen durch besseres Zukunftsmanagement. Offenbach: GABAL Verl., 2007. 327 S., € 29,90 [D], 30,80 [A], sFr 52,40 ISBN 978-3-89749-669-9