wfddr-niggli-deVon „Designwissen für die Zukunft“ spricht das Team des Institute of Design Research Vienna (IDRV) und hat dabei ebenso eine nachhaltige Entwicklung im Blick. Harald Gruendl, der Leiter des IDRV, sowie die MitarbeiterInnen Ulrike Haele, Marco Kehlhammer und Christina Nägele haben eine Ausstellung gestaltet, in der Produkte in Bezug auf ihren ökologischen Rucksack vergleichend dargestellt werden: etwa die alte Mokka Express und der moderne Kapselautomat zur Herstellung von Kaffee oder der Mittelklassewagen und der SUV. Die Ausstellung basiert auf ausführlichen Recherchen; sie ist aber zugleich ästhetisch-künstlerisch sehr ansprechend gestaltet. Beides gilt auch für den Katalog zur Ausstellung mit dem schlichten Titel „Werkzeuge für die Designrevolution“.

Unter „Werkzeugen“ werden dabei nicht nur handwerkliche, manuelle Geräte, sondern insbesondere auch „Denkwerkzeuge, analytische oder aktivistische Methoden, selbstermächtigende Tools sowie bloßes Wissen“ verstanden, heißt es in der Einleitung (S. 7). Messmethoden wie der ökologische Fußabdruck oder der ökologische Rucksack werden ebenso vorgestellt (und angewendet) wie Widerstandsformen gegen die Verschleißwirtschaft (etwa die international an Bedeutung gewinnende Reparaturrevolution mit ihrem „Self-Repair Manifesto“).

Beeindruckend ist die sprachliche Kreativität des AutorenInnen-Teams, in die sich immer wieder auch Ironie mischt. So beginnt das Buch mit Kapiteln wie „Weltangelegenheit“ (hier werden „Handgepäckmengen für die Reise mit dem Raumschiff Erde“ vorgestellt) oder „Wachmacher“ (in Anspielung an die Weichmacher der Kunststoffindustrie kommen hier „Designrevolutionäre“ wie William Morris, Ernst Friedrich Schumacher oder Ivan Illich zu Wort). In „Kaffeekiste“ werden die zwei angesprochenen Kaffeeherstellungsformen dargestellt, in „Schneller Tod“ Beispiele von Obsoleszenz und in „Greenwashing“ solche von pseudo-ökologischen Lösungen problematisiert. Man bekommt dabei „Werkzeuge für den Logodschungel“ an die Hand.

Selbstverständlich werden auch Zukunftslösungen angesprochen, etwa wieder verwertbare bzw. kompostierbare Materialien (Kapitel „Wiederauferstehung“) oder die Wiederbelebung einer Kultur des Reparierens. Die Designrevolution müsse jedoch – das stellt die Verbindung zum Transformationsdesign von Welzer/Sommer her – bei der Hinterfragung unseres Konsummodells ansetzen, so die AutorInnen.

Einer Abrechnung mit dem Industrial Design der Massenproduktion sowie den Werbedesignern als deren Handlangern (Kapitel „Publikumsbeschimpfung“) folgen Anregungen für einen „weltgerechten Lebensstil“. Dabei wird keineswegs auf rein individuelle Lösungen gesetzt. Entschiedenes und mutiges Handeln der Politik („Design für die Politik“) sei ebenso notwendig wie eine Neudefinition von Industrie- und Werbedesign im Sinne eines „Designs für neue Lebensstile“.

Es sei mit einem Zitat geschlossen, das wohl an alle in ihren jeweiligen Handlungs- und Entscheidungsfeldern gerichtet ist: „Warten Sie nicht mehr und erwarten Sie auch nichts. Tun Sie etwas.“ (S. 155) Mehr über die Aktivitäten des IDRV ist zu finden unter www.idrv.org.

Hans Holzinger

 

Werkzeuge für die Designrevolution. Designwissen für die Zukunft. Hrsg. v. IDRV – Institute of Design Research Vienna. Sulgen: Niggli Verl., 2014. 192 S., € 29,80 [D], 30,60 [A], sFr 45,-

ISBN 978-3-7212-0903-7