Die hier vorgestellte Publikation der „Impact-Edition für soziale Innovationen“ will 25 Ideen, problemlösend die Zukunft zu gestalten, öffentlich machen, aber auch dazu ermutigen, selber „Changemaker“ und Erfinder zu werden. Im Vorwort lädt Thomas Friemel, Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins „enorm - Wirtschaft für den Menschen“ zu einer „Reise an ungewöhnliche Orte zu ungewöhnlichen Menschen“ ein (S. 9). Die Beiträge über die präsentierten Projekte wurden von Redakteuren und freien Mitarbeitern der Zeitschrift verfasst.

 

Der erste Teil des Handbuches bietet eine thematische Einführung der beiden Herausgeber, Mark Speich, Geschäftsführer der Vodafone Stiftung Deutschland, sowie Peter Spiegel vom „Genisis Institute for Social Innovation and Impact Strategies“. Mark Speich hebt die Bedeutung kleinerer Wirtschaftsakteure für notwendige gesellschaftliche Neuerungen hervor, denn diese würden keineswegs nur vom Staat oder den großen Sozialverbänden ausgehen. „Auch in wirtschaftlichen Zusammenhängen gehen Innovationen nicht selten von kleineren Gründerunternehmen aus. Deren Innovationen werden entweder durch eigenes Wachstum oder durch Adaption der Neuerung in einer größeren Unternehmung verbreitet. Ähnliches ließe sich für soziale Innovationen denken.“ (S. 15) Auch Peter Spiegel schließt sich dieser Meinung an: „Die neue Welt sozialer Innovationen stellt die Frage in den Mittelpunkt, was jeder Akteur tun kann …“ (S. 24).

 

 

 

Projekte

 

Die 25 beispielhaften Projekte des zweiten Teils sind in 6 Innovationsfeldern gebündelt: Bildung, Umwelt, Jugend, Gesundheit, Arbeit und Integration. Für den ersten Themenbereich wird beispielsweise die 2007 gegründete Evangelische Schule Berlin-Zentrum vorgestellt, an der „Schüler zu kreativen Zukunftsgestaltern werden“ (S. 37) können. „Loben und positive Wertschätzung sind wichtige Bausteine im Konzept der Schule.“ (S. 39) Im Projekt „Verantwortung“ arbeiten „die Schüler regelmäßig und nachhaltig in sozialen Projekten (…)  mit dem Anspruch, selbst neue innovative Lösungen für soziale Projekte zu entwickeln und umzusetzen.“ (S. 42) Die Schule wurde in den vergangenen Jahren mehrfach ausgezeichnet (z. B. 2011 Energiesparmeister) und hat zwischenzeitlich durch ihren Erfolg auch „skeptische Lehrer anderer Schulen sowie Landespolitiker überzeugt. Seit 2010 werden auch Lehrerfortbildungen angeboten, die maßgeblich durch die Schüler selbst gestaltet werden.“ (S. 43) (s. a. Rezension 109)

 

Bürgeraktiongesellschaft „Regionalwert“

 

Im Innovationsbereich Umwelt wird der Bürgeraktiongesellschaft „Regionalwert“ mit über 500 Mitgliedern aus der Region Freiburg besondere Beachtung geschenkt. Durch den Aufkauf von Höfen und Betrieben soll dem Trend in der Landwirtschaft zu Monokulturen und Spezialisierung eine tragfähige Alternative entgegengesetzt werden. Der Social Entrepreneur des Jahres 2011, Christian Hiß, der auf einem Demeterbetrieb aufgewachsen ist, begann zunächst mit Workshops zur Zukunft einer sozial-ökologischen Landwirtschaft und gründete im Jahr 2006 eine Aktiengesellschaft, in die er seinen eigenen Betrieb als Stammkapital einbrachte und der heute bereits 16 Partnerbetriebe angehören, zum Teil auch im verarbeitenden Bereich.

 

 

 

Regionalwert AG

 

Das Konzept hat bereits in anderen Regionen Interesse geweckt; so entstand nach gleichem Muster etwa die Regionalwert AG Isar-Inn. Alle 25 vorgestellten Projekte werden am Ende der ausführlichen Präsentation in Form eines Steckbriefs zusammenfassend dargestellt.

 

Der dritte Teil des Buches bietet mit dem „Impact Guide“ Empfehlungen für persönliches Engagement (S.217ff.). Zunächst zeigt Nadine Neidhardt von der Vodafone Stiftung verschiedene Zugänge zur Selbstermächtigung auf, wobei das Spektrum vom bewussten Konsumverhalten über Spendemöglichkeiten bis hin zum Gründen einer eigenen gemeinnützigen Organisation reicht. Ein „Changemaker-Navigationssystem“ (S. 226ff.) bietet nützliche Informationen zur Unterstützung innovationsfreudiger Akteure, wie einschlägige Magazine, Internetforen, Studien- und Fördermöglichkeiten.

 

Zusammengefasst: Ein Handbuch reich an konkreten Projekten und weiterführenden Hinweisen, die zur eigenständigen Recherche anregen. In ansprechender Weise lädt der Band dazu ein, Neues zu versuchen und nicht vor einem möglicherweise vorläufigen Scheitern zurückzuschrecken. (vgl. S. 18) Damit leistet es einen wichtigen Beitrag zu einem kulturellen Wandel in Deutschland, Experimente zu wagen, die einer „Wirtschaft zur Lösung der Probleme unsere Zeit“ (S. 10) dienen. D. H.

 

 Denk die Welt weiter. 25 Ideen, selbst die Zukunft zu gestalten. Hrsg. v. Genisis Institute for Social Innovation and Impact Strategies. Berlin: Epubli-Verl., 2012. 256 S., € 10,- [D], 10,30 [A], sFr 14,-

 

BN 978-3-8442-2000-1