„Was die ‚Encyclopädia Britannica’ für die Welt der Daten und Fakten, das ‚Oxford English Dictionary’ für die (englische) Sprache bedeutet, das leistet dieses Buch für die Veränderung ganzer Systeme (…). Ein unbedingtes Muss für Ihre einschlägige Literatursammlung.“ Martin Rulle, selbst Autor einschlägiger Bestseller, trifft mit diesem, zugegeben, euphorischen Urteil den Nagel auf den Kopf. Denn mit diesem Band ist in der Tat eine in jeder Hinsicht faszinierende Sammlung kreativer Methoden sozialer Veränderung verfügbar, der, von ausgewiesenen Experten verfasst, einen faszinierenden Einblick in die Fülle von in unterschiedlichen Zusammenhängen erprobten Konzepten sozialen Wandel bereit hält.

 

Nach Einleitung und Danksagung an die große Zahl der Mitwirkenden bietet der erste Abschnitt zunächst eine Art „Gebrauchsanweisung“, in der aktuelle Muster sozialen Verhaltens - etwa Zunahme an Mobilität, Zeitmangel, Resistenz gegen Veränderung -, deren gesellschaftliche Folgen sowie Möglichkeiten der Veränderung durch „Change Management“ (CM) skizziert werden. Zudem werden Chancen und Grenzen sozialer Veränderung durch CM, finanzielle Rahmenbedingungen und dessen Bedeutung im Systemischen Kontext reflektiert. So unterschiedlich die im Folgenden präsentierten 65 Methoden des CM im Hinblick auf Zielsetzung, Komplexität, Dauer, Zahl der Mitwirkenden, organisatorischen Aufwand etc. auch sein mögen, so ziehen sie doch alle darauf ab, Gruppenprozesse zu planen, anzupassen, zu strukturieren zu verbessern oder zu unterstützen. Dass dabei je nach Herausforderung und Anliegen jeweils unterschiedliche Verfahren eingesetzt zu empfehlen sind, wobei auch die kreative Verbindung verschiedener Ansätze in Betracht kommt, wird in Form einer „Summary Matrix“ übersichtlich vermittelt. Für die Wahl der jeweils „richtigen Methode“ würden nicht nur die Rahmenbedingungen, sondern vor allem auch die Fähigkeiten, das Wissen und die Intention entscheiden, betonen die Herausgeber. Um die jeweils bestmögliche Methodenwahl zu treffen, sei es wichtig, die Entwicklung des Gesamtprozesses, den aktuellen Status desselben und nicht zuletzt sich selbst zu kennen; ferner sei entscheidend, ob der intendierte Prozess eher auf individuelle oder kollektive Veränderung, auf Reflexion oder Aktion abzielt. Schließlich werden auch Empfehlungen zur Sicherung der Dauerhaftigkeit von CM-Prozessen gegeben.

 

Im Zentrum des Bandes (Abschnitt 2) steht die Beschreibung der Methoden, die die Herausgeber in fünf Kategorien, „Adaption“, „Planung“, „Strukturierung“, „Verbesserung“ und „Unterstützung“ gegliedert haben. Innerhalb dieser Gruppen sind die einzelnen Verfahren alphabetisch gereiht. Die Beschreibung nimmt mit der „Appreciative Inquiary“ („Wertschätzenden Befragung“) ihren Anfang, und endet nach mehr als 500 S. beim „Visual Explorer“. Nach einer kurzen Beschreibung jeder Methode, wird jeweils der theoretische, methodische Hintergrund ausgeleuchtet („The Basics“) und anhand von Beispielen exemplarisch verdeutlicht. Empfehlungen zur bestmöglichen Form der Anwendung, zur Dauer und Zahl der Teilnehmenden finden sich ebenso wie Empfehlungen zu einem guten Verlauf („Getting Started“, „Conditions for Success“, „Sustaining the Results“). Abgerundet wird jeder Beitrag durch die Beantwortung von „Burning Questions“, Angaben zu den AutorInnen sowie weiterführenden (Literatur)Hinweisen.

 

Schon neugierig geworden? Neben der Darstellung von im deutschsprachigen Raum bekannten Methoden (wie etwa „Open Space Technologiy“, „World Cafe“ oder auch der „Zukunftswerkstatt“ nach Robert Jungk, kompetent von Petra Eickhoff und Stepahn G. Geffers [die dankenswerterweise auch auf die Bedeutung der Rolle der JBZ in diesem Kontext verweisen], lädt der Band vor allem auch zur Erkundung „unbekannten Terrains“ ein. Oder haben Sie, geschätzt(e)r Leser/in schon Erfahrungen mit dem „Ancient Wisdom Council“, dem „Genuine Contact Program“, dem „Leadership Dojo“ oder der „Search Conference“ gemacht?

 

Besonders spannend und überaus gelungen ist die Zuordnung nach Anwendungsbereichen, die etwa unter „Planning Methods“ verschiedene Verfahren der Stadt- bzw. Kommunalplanung versammelt, unter „Supportive Methods“ hingegen „Playback Theater“ oder den „Learning Map Approach“ vorstellt.

 

Der abschließende dritte Teil versammelte Gedanken über die das Potenzial kollektiver Zukunftsgestaltung. Mitherausgeberin Peggy Holman etwa beschäftigt sich unter dem Titel „From Chaos to Coherence. The Emergance of Inspired Organaizations and Inlighted Communities“ mit den oft unerwarteten und den doch folgereichen Wirkungen von CM für Individuen und Gemeinschaften. Tom Devanes Thema ist die Rolle von Gedanken zur Gestaltung von Zukunft, und Steven Cady schreibt über „Hope for the Future. Working Together for a Better World“.

 

Kurze Zusammenfassungen aller beschriebenen Methoden und ein ausführliches Register runden den Band ab und erhöhen den Gebrauchswert dieser außerordentlichen Publikation. Dass zudem an ein sehr freundliches Lay-out, an die Ergänzung durch (ebenfalls ausgezeichnete) Grafiken gedacht und zudem jede Methode mit einem einleitenden Aphorismus bedacht wurde, rundet den guten Gesamteindruck ab und macht das Schmökern in diesem Kompendium zu einem wahren Lesevergnügen. Achtung: Folgewirkungen sind beabsichtigt und sehr wahrscheinlich! W. Sp.

 

The Change Handbook. The Definitive Resource on Today’s Best Methods for Changing Whole Systems. Ed. by Peggy Holman … San Francisco:  Berret-Koehler Publ., 2007. 733 S. 2nd. Ed., ISBN 978-1-57675-379-8.

 

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