Obgleich Ruth C. Cohn, die 1912 in Berlin geborene Begründerin der „Themenzentrierten Interaktion" (TZI), die politische Dimension des "Globe" als vordringlichste Größe ihrer pädagogisch-therapeutischen Arbeit im Blick hatte, ist diese in der Praxis zugunsten der persönlichkeitsbildenden Elemente im Gefüge von "ICH" - "WIR" und "ES" vielfach in den Hintergrund geraten. Hier gegenzusteuern ist Anliegen der Herausgeber, die sich mit diesem Band nicht nur an Fachleute wenden.

Er bringt im ersten Abschnitt eine von C. Löhmer anhand der Lebensgeschichte Ruth C. Cohns entfaltete Einführung in die TZI und im Anschluss daran die Wiedergabe eines lebendigen Gedankenaustauschs zwischen Cohn und dem Kommunikationswissenschaftler F. Schulz v. Thun. Dabei wird authentisch vermittelt, dass Kommunikationsvermögen vor allem auch als Instrument der Einmischung genutzt werden sollte. "Misch Dich ein! Greif ein!", erhebt demnach auch der in Düsseldorf tätige Psychotherapeut Günter Hoppe zur dritten Maxime der TZI und eröffnet damit einen Abschnitt von insgesamt sechs Erfahrungsberichten, inwieweit (und wie wenig) TZI in den politischen Diskurs gebunden werden kann bzw. sollte.

Mit Bezugnahme auf die Kritische Theorie kommt H. Jahoch auf die Herausforderung des (neuen) Rechtsradikalismus zu sprechen und verweist auf die Notwendigkeit, TZI verstärkt auch als konstruktives Element in Schule, Erwachsenenbildung und Verwaltung zu etablieren. Die wesentlichen Defizite der Gesellschaft als gemeinsames Anliegen anzunehmen, heiße, einen Beitrag zur Stärkung der Demokratie zu leisten. Die Tradition gewaltfreien Handelns im Sinne Gandhis (R. Stotz), Erfahrungen aus der praktischen Seminararbeit v. a. in den neuen Bundesländern (A. Schultze), Möglichkeiten der Integration in parteipolitische Strukturen (am Beispiel der Schweizerischen Sozialdemokraten SPS verdeutlicht von E. Miescher) sowie die therapeutische Arbeit in einer Männergruppe machen das Spektrum konkreter Einflussnahme im sozialpolitischen Kontext deutlich. 

Den dritten Abschnitt eröffnend, bringt H. Petzold schwere Geschütze m. E. auch gegen verwandte Verfahren politischer Bewusstseinsbildung in Steilung: Er spricht von" hypertrophen Ansprüchen" und „weltverbesserischem Geschwätz" von Therapeuten, wobei er nicht verletzen, sondern auf Grenzen des Machbaren aufmerksam machen will. Die im dritten Abschnitt zur Diskussion gestellte "Ökospiritualität" im Sinne der BEAULIEU-Gruppe, die „Zukunftswerkstatt" (präsentiert in ihrer Genese von Robert Jungk und konkretisiert von N. R. Müllert) die "Verzweiflungs- und Ermutigungsarbeit" nach Joanna Macy sowie ein erhellender Beitrag von Ute Volmerg über die Schwierigkeiten der Kooperation mit politisch "alternativ" Engagierten sind mehr als nur "Anstöße von außen". Sie machen den Band für all jene zu einer lohnenden Lektüre, die es sich nicht nehmen lassen, aktiv für ein besseres Morgen tätig zu sein.

W Sp.

Zur Tat befreien. Gesellschaftspolitische Perspektiven der TZI-Gruppenarbeit. Hrsg. v. Rüdiger Standhardt ... Mainz: M. Grünewald, 1994.2725., (Aspekte Themenzentrierter Interaktion) DM 29,80 / sFr 27,40 / ÖS 233,-