Um ein gemeinsames Ziel zu erreichen, nämlich die Umsetzung gelebter, lebendiger Demokratie, getragen von Solidarität und Verantwortung, drängt sich eine Anleitung zum Bürgerprotest geradezu auf. Der Sozialwissenschaftler Harro Honolka sieht drei Möglichkeiten, mit dem Gefühl der Ohnmacht, des Ärgers oder der Wut des Einzelnen umzugehen: Entweder man sagt sich 1. „Da kann man nichts machen“ oder, 2. Man schwört, bei Neuwahlen die Konsequenzen zu ziehen und schließlich 3. „Etwas zu tun“. Der Autor, selbst engagiert bei Attac München, will Mut machen und gibt praktische Anleitungen, wie jeder seinen kleinen Protest realisieren kann. Honolka geht es aber auch darum, das klassische Protestrepertoire durch neue Formen des Widerstands zu ergänzen. „In einigen der beschriebenen Aktionen wird eine begrenzte Übertretung von Gesetzen bewusst in Kauf genommen. Sie nehmen dann an einer Aktion des ‚zivilen Ungehorsams‘ teil.“ (S. 15)

Wie können nun alltägliche Protestaktionen politisch wirken? Zunächst können damit Information und Aufklärung von Mitbürgern erreicht werden: „Auf Plakaten, in Flugblättern, Blogs, Leserbriefen, Internetdiskussionsforen, über Twitter und Facebook, durch Mahnwachen oder Demonstrationen wird auf Missstände aufmerksam gemacht, und es werden Forderungen zur Abhilfe erhoben.“ (S. 19) Solche Aktionen können zum einen auf Entscheidungsträger wirken und sind obendrein ein probates Mittel im Kampf um die Meinungshoheit. „Die veröffentlichte Meinung in den Medien wird auf diese Weise durch eine zivilgesellschaftlich zustande gekommene öffentliche Meinung ergänzt und relativiert.“ (S. 20)

Anschließend listet Honolka zehn Argumente zugunsten zivilgesellschaftlicher Protestaktionen auf: U. a. will man auf Missstände aufmerksam machen, die Politik zum Handeln zwingen, das demokratische Kräftegleichgewicht wieder herstellen, mitregieren, Sand ins Getriebe streuen und schließlich soll Protestieren auch noch Spaß machen, bei Depressionen heilsam wirken. Nicht zuletzt sollen uns unsere Kinder später nicht vorwerfen können, wir hätten nichts versucht.

Im Hauptteil enthält der Band 50 Aktionen des Bürgerprotests. Aktionsanleitungen, die einen Anlass vorgeben, die Aktion beschreiben, den Aufwand und die Wirkung sowie Risiken und den Spaßfaktor benennen. Natürlich kann an dieser Stelle nicht auf alle 50 Aktionen eingegangen werden, einige haben wir als Beispiele aber herausgegriffen. Mit der Aktion 1, sozusagen zum Aufwärmen, wechseln Sie zu einem nachhaltigen Stromanbieter. Unter www.atomausstieg-selbst-machen.de findet man alle nötigen Infos über echte Ökostromanbieter und die notwendigen Schritte zum Wechsel. Mit Aktion 3 verwischen Sie Ihre Surfspuren beim Googeln mit der amerikanischen Suchmaschine www.duckduckgo.com oder der niederländischen Suchmaschine www.ixquick.com. Aktion 12 beschreibt, wie Sie von Ihren Auskunftsrechten bei Behörden ausgiebig Gebrauch machen, Aktion 23 sagt, wie man sein Konto kündigt und zu einer verantwortungsvollen Bank wechselt, Aktion 44 erklärt, wie Sie einen Smart Mob, d. s. Blitzzusammenkünfte zu einem bestimmten Zeitpunkt an einen bestimmten Ort, organisieren.

Schließlich gibt es parallel zur Printversion eine Webseite mit einer E-Book-Version (www.anleitungen-buergerproteste.de), um Verbesserungen, neue Erfahrungen und Ideen in die regelmäßig aktualisierte E-Book-Version einarbeiten zu können. Alfred Auer

 

 Honolka, Harro: 50 Anleitungen zum Bürgerprotest. Was jeder gegen Missstände tun kann. Frankfurt/M.: Westend, 2013. 238 S., € 14,99 [D], 15,50 [A], sFr 22,40 ; ISBN 978-3-86489-050-5