Aktivierender Staat und aktive Bürger

Ausgabe: 2002 | 4

Plädoyer für eine integrative GesundheitspolitikObgleich Politik als Versuch der Gestaltung eines guten und gelingenden Lebens in der Gemeinschaft verstanden werden kann, stellt die Gesundheit(sprävention), wie die Herausgeber in der Einleitung zu diesem Band treffend festhalten, „ein noch unentdecktes Politikum“ dar. Ziel dieses von 19 AutorInnen gestalteten Bandes ist es daher, „die viel zu lange missachtete Bedeutung von Gesundheit und Gesundheitsförderung als Quelle, Weg und Ziel von politisch-sozialem Handeln zu begreifen“ (S. 10). Es gelte v. a., die Mechanismen des herrschenden Systems kritisch zu hinterfragen und Gesundheitsförderung als „Empowerment-Strategie“ im Sinne der „Befähigung des Einzelnen zur Partizipation am Gemeinwesen zu einem aktiv gestaltenden Element von Gesundheitspolitik zu machen“. Nicht individuelle Krankheitsbewältigung, sondern die persönliche Gestaltungsmöglichkeit des Lebensumfeldes sollte im Zentrum einer umfassenden und aktiven Gesundheitsprophylaxe stehen. Ganzheitlich verstanden, sei die Implementierung und Koordinierung der Leitprinzipien „Integration“, „Lernfähigkeit“, „Nachhaltigkeit / Chancengleichheit“ und „Lebensqualität“ als Merkmale integrativer Gesundheitspolitik anzustreben.

Vor diesem Hintergrund werden zunächst Fehlentwicklun-gen und Forderungen im Kontext des (deutschen) Gesund-heitswesens thematisiert. Das ökonomische Dilemma der Gesundheitspolitik zwischen Über-, Fehl- und Unterver-sorgung oder das fehlende Zusammenwirken von Gesund-heits- und Umweltpolitik wird dabei ebenso angesprochen wie die gesellschaftliche Ausgrenzungsfunktion von „Krankheit“ im Kontext des „ganz normalen Alltags-Wahnsinns moderner Geschäftigkeit“ (S. 101). Diesem Befund stellt Kerstin Kellermann die Perspektive von „Gesundheit als Integrationsleistung“ gegenüber, die letztlich auf das „Ankommen im eigenen und sozialen Dasein“ abzielt (S. 103).

Ein weiterer Abschnitt diskutiert „Wege aus dem Verant-wortungsvakuum“, wobei u. a. konkrete Beispiele von Dezentralisierung und Bürgerbeteiligung, institutionelle Voraussetzungen für eine effektive kommunale Gesund-heitsförderung sowie Grundlagen neuer Wohlfahrtskonzepte am Bespiel der Versorgungsforschung vorgestellt werden. Weitere Beiträge beschäftigen sich mit den As-pekten Risikoprävention und Einbeziehung von Landesgesundheitszielen in die Kommunalpolitik.

Der den Band beschließende Abschnitt erörtert „Leitbilder für Lokales Handeln“. So berichtet etwa Eberhard Göpel über Bürgerbeteiligung in Kommunen am Bespiel „sozialkommunikativer Lernkreisläufe“. Auch dem Zusammenhang von Agenda 21 und Gesundheit wird anhand von Strategien, Kooperationen und Exempeln nach-gegangen. W. Sp.

Im folgenden Band stehen konzeptionelle Überlegungen unter besonderer Berücksichtung finanzieller und rechtlicher Aspekte unter Einbeziehung internationaler Beispiele im Mittelpunkt:

Francke, Robert ; Hart, Dieter: Bürgerbeteiligung im Gesundheitswesen. Baden-Baden: Nomos, 2001. 333 S., ca. € 25,- (Gesundheitsrecht und Gesundheitswissenschaft ; 1)

ISBN 3-7890-7367-9

Bei Amazon kaufenAktivierender Staat und aktive Bürger. Plädoyer für eine integrative Gesundheitspolitik. Hrsg. v. Kerstin Kellermann … (u. a.). Frankfurt/M.: Marbuse-Verl., 2001. 298 S., € 23,90; ISBN 3-933050-65-0