Es handelt sich hier um die zusammenfassenden Thesen eines Vortrags von Christine und Ernst Ulrich von Weizsäcker, gehalten auf dem Symposium zur Gentechnologie in Heidelberg. Leitmotiv ist die Ausdehnung der Fehlerbegrenzung auf eine zumutbare Größenordnung: »Die Fehler-Freundlichkeit soll die Illusion der Fehler-Vermeidung ersetzen. Diese Auffassung wird mit einem Blick auf die Evolutionslehre, die den erfolgreichen Umgang der Lebenswelt mit dem Unvorhersagbaren beschreibt, untermauert. Der Begriff Fehler-Freundlichkeit erklärt sich aus einer Art Synthese von Fehler-Toleranz und Fehler-Anfälligkeit. Erst diese Synthese sichert die artenreiche Entwicklung im evolutionären Prozess. Die Gentechnologie verführt hingegen zur Annahme, eine galoppierende Evolution inszenieren zu können. Dies ist jedoch nach dem Verständnis »einer durch Tüchtigkeit und Fehler-Freundlichkeit charakterisierten Evolution der Fülle ein Trugschluss«. Vorerst halten die beiden Wissenschaftler die Gefahren im Gefolge der Gentechnologie für gering; allerdings nur solange die Öffentlichkeit vor »,Monster-Bakterien« und unheimlichen Unfällen aus den gentechnischen Labors Angst hat«, »Erst wenn es gelingt, scheinbar 'risikofreie' Gentechnologie einzuführen, bei welcher ebenso wenig Unfälle zu befürchten sind wie bei Drainage, Flurbereinigung und Raps-Anbau, dann ist die Stunde der Gefahr gekommen, denn dann erst kann sich Gentechnik in einem evolutions-relevanten Umfang durchsetzen, und die Zivilisation kann über Nacht in Abhängigkeit von dieser Technik geraten.« Die Gefahr liegt also im absehbaren »flächendeckenden Erfolg.«   Die Analyse dieses Dokuments von Ernst Kowalz geht davon aus, dass die Forschung mit der Komplexität des Lebendigen noch lange nicht zurechtkommt. Fehlerfreundlichkeit - umfassend verstanden - müsste daher auch einschließen, Schritte zu unterlassen, deren Konsequenzen nicht abzusehen sind.

Fehler schützen vor Katastrophen. In: Dokument + Analyse. 16.Jg. (1987), Nr. 9, S. 57 - 59