Thomas Weber, Blogger und Herausgeber eines Magazins für einen nachhaltigen Lebensstil („Biorama“), schildert mit Witz und auch einer Prise Ironie „alltagstaugliche Ideen für eine bessere Welt“, die Lust auf ein anderes, kooperatives und kreatives Leben machen sollen. Webers Vorschläge und der Titel des Buches nehmen Bezug auf die Homepage eingutertag.org, auf der Alltagshandlungen mit Öko-Punkten bewertet werden. Ein „guter Tag“ ist demnach jener, an dem wir maximal 100 Punkte „verbraucht“ haben.

Mit Anregungen wie „Hack die Thujen klein“ (Plädoyer für einen Garten der Vielfalt), „Flute deinen Keller“ (um darin Fische zu züchten) oder „Miete ein Huhn“ (um deinen Kindern wieder erleben zu lassen, woher unsere Lebensmittel kommen) wird ein Lebensgefühl der Befreiung und Naturnähe angesprochen. Das gilt auch für Ideen wie „Zieh in eine WG oder tausch deine Wohnung“ sowie  „Reise als Post-Tourist und gönn dir auch Feierabends Abenteuer“ (womit für ein anderes Reisen und Erleben plädiert wird). Viele der Beispiele Webers beziehen sich auf Ernährung, wobei der Autor für ein bewusstes Fleischessen aus art- und naturgerechter Viehhaltung eintritt, wie er an Projekten einer anderen Rinder- und Schweinehaltung („Iss wie Obelix“, nämlich Wildschwein, oder „Teile eine Kuh“, so eine Schweizer Initiative für kooperative Rinderzucht) zeigt.

Weber bricht auch Öko-Tabus, wenn er gegen seines Erachtens falsche Wärmedämmung auftritt („Reiß das Styropor aus der Fassade“) oder für Online-Kaufen plädiert, da dies Wege spare (was freilich fraglich ist). Auch Webers Plädoyer für politisches Engagement kommt ohne Zeigefinger aus: „Weil uns weder edle Empörung noch prinzipielle ´Scheiß drauf´-Haltung oder gar gleichgültiges Laisser-faire weiterbringen“, ermuntert uns der Autor: „Engagier dich! Werde in NGOs aktiv, gründe Bürgerinitiativen, oder besser noch: Geh gleich selbst in die Politik und überzeuge deine Mitmenschen da draußen – mit klugen Gedanken, Worten und Werken.“ (S. 247) Das Buch endet – auch das nicht ohne Ironie – mit einem Bericht über den ersten deutschen Waldfriedhof in Rheinland-Pfalz mit der Aufforderung: „Verzichte auf einen Grabstein und markiere deine letzte Ruhestätte mit Totholz – und mittels GPS-Koordinaten.“ (S. 259) Hans Holzinger

Bei Amazon kaufenWeber, Thomas: 100 Punkte Tag für Tag. Miethühner, Guerilla-Grafting und andere alltagstaugliche Ideen zur Verbesserung der Welt. Salzburg u. a.: Residenz-Verl., 2016. 271 S., € 19,90 [A] ISBN 978-3-7017-3386-6