Zur Zukunft Europas, Osteuropas und Mitteleuropas

Hinter dem anspruchsvollen Titel verbirgt sich ein informativer politikwissenschaftlicher Beitrag zur Frage der künftigen gesellschafts- und bündnispolitischen Neustrukturierung Europas. Er enthält Aussagen zu den integrativen und desintegrativen Tendenzen in West- und Osteuropa mit daraus abgeleiteten prognostischen Folgerungen. Sechs politische Dimensionen europäischer Entwicklung werden untersucht.

  1. Gesellschaftliche Systempolitik: Trotz östlicher Reformbewegung Aufrechterhaltung der Systemunterschiede mit Wandel der Systemfeindschaft zur zivilisierten Systemgegnerschaft.
  2. Sicherheitspolitik: Stärkere Hinwendung zu pragmatischen Konzepten der Rüstungsreduzierung und -kontrolle.
  3. Bündnispolitik: Weitaus höhere Stabilität der Militärblöcke als der Wirtschaftsbündnisse.
  4. Nationale Politik: Gefahr staatensprengender Autonomiebestrebungen besonders in Osteuropa, auf lange Sicht kein einheitlicher deutscher Nationalstaat, weil Bündnispartner und Nachbarn der Deutschen daran kein Interesse haben.
  5. Vereinigung europäischer Staaten: Bis 2010 noch keine Entstehung neuer bundesstaatlicher Zusammenschlüsse.
  6. Kommunale Politik: Die Desintegration hyperzentralistischer und nationalstaatlicher Blöcke bildet die tragende Säule in einem Konzept ziviler, humaner, pluralistischer europäischer Entwicklung.

Da die angeführten Bereiche knapp und doch präzis beschrieben werden, ist der vorgelegte Report für den Nicht-Politikwissenschaftler brauchbar. Neben guter Lesbarkeit besteht sein Vorzug insbesondere darin, daß weniger unsichere Prophezeiungen gewagt werden, sondern wissenschaftlich seriös auf die wichtigsten politischen Situationen und Prozesse hingewiesen wird. Angesichts nicht konkret vorhersagbarer wirtschaftlicher und politischer Verbände in Ost- wie Westeuropa ist dies eine sehr vernünftige Annäherung an die Frage der politischen Zukunft des Kontinents.

 

Jahn, Egbert: Zur Zukunft Europas, Osteuropas und Mitteleuropas. Frankfurt/M.: Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung, 1989. 37 S. (HSFK-Report 3/1989) 

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