Zukunfts-Regionen

Die Botschaft kennen wir längst – die Rede ist von „Glokalisierung“ – der Renaissance des Lokalen im Zeitalter der Globalisierung. Die vorliegende Hymne auf die Wiederbelebung der Regionen des Zukunftsinstituts von Matthias Horx gibt vor, die Landkarten neu zu zeichnen. Was bleibt sind Standorte und Städte, von denen die meisten ohnehin einen guten Ruf als „kreative Milieus“ haben – man denke nur an Amsterdam (eine der dynamischsten Städte Europas), Cambridge oder Toulouse; von anderen (etwa München) sagt man, dass sie nicht mehr zu den Favoriten zählen.

Wie die zahlreichen in jüngster Zeit vom „Zukunftsinstitut“ publizierten Studien glänzt auch die vorliegende durch ein sehr ansprechendes Layout mit übersichtlicher Aufbereitung und Landkarten, die innovative Hervorhebung der Regionentypen (Aufsteigerregionen, Wellnessregionen, Medienregionen etc.), eine gelungene grafische Umsetzung von Kriterien wie Lebensqualität, Wirtschaftspotenzial, Bildung, Förderung, die bildliche Darstellung von Kategorien wie „Spitzenreiter, Newcomer, Geheimtipp oder Potenzialregionen“ sowie die eigens hervorgehobene Linkleiste.

Insgesamt gibt die Studie einen Überblick über aufstrebende bzw. bekannte Regionen in Europa. Dabei wird gezeigt, welche Regionen in welchen Ländern welche Vorzüge und Eigenschaften haben und welche Branchen entweder bereits vorhandene Potenziale ausnutzen oder ihrerseits Impulse in der Region in Form von Beschäftigung, Wertschöpfung, Investitionen oder Projekten schaffen. Sonja Petersen hat 60 Standorte in Europa ausgewählt, die es ihrer Meinung nach verdienen, auf der neuen Landkarte des 21. Jahrhunderts deutlicher zu erscheinen.

Zu den innovativsten Branchen gehört noch immer der Bereich Computer, Internet und Medien. Weitere Schlüsselbranchen der Zukunft sind die Telekommunikation, Halbleiterindustrie, Biotechnologie, Raum- und Luftfahrt, Umwelttechnologie, Pharmazie und Medizintechnik.

Ganz allgemein, so die Autorin, entstehen die beschriebenen „Power Regionen“, „wenn sie einen einzigartigen Mix aus Dynamik, Wachstumsstärke, Modernität, Innovation, Infrastruktur, Marktführerschaft, Technologie, Kultur, Lebensqualität und Attraktivität entfalten, die ihnen ein klares Plus gegenüber anderen Regionen im Wettbewerb“ geben. Sie sind für Investoren insofern interessant, „weil die zu erwartende Wirtschafts- und Investitionsdynamik in einem Umfeld, das Zukunfts-Trends am ehesten aufgreift, den größten Erfolg verspricht“ (S. 15f).

Die Standort-Spitzenreiter in Europa sind laut Petersen Kopenhagen (Wachstumsraten liegen jetzt schon über denen anderer europäischer Ballungsräume), Stockholm/Kista (glänzt durch hohe Investitionsattraktivität durch Marktgröße, hohes Einkommensniveau und soziale Sicherheit), Helsinki/Espoo (eines der wichtigsten Zentren des finnischen Technologieaufschwungs), Amsterdam (eine der dynischsten Städte Europas), Cambridge (mit heißem Innovationsklima), Cambridge (hat einen guten Zukunftsmix aus eigenständigen Kleinunternehmern und unabhängigen Forschern), Thames-Valley/M4-Korridor (südlich von London), Stuttgart (einer der innovativsten Medien- und Dienstleistungsstandorte in Europa), München (kaum Standortdefizite, stabile Politik, hoher Bekanntheitsgrad), Rhone-Alpes (Netzwerk aus Forschung, Unternehmen und Region), Zürich (ist aus vielen Gründen zum Trendsetter-Standort geworden), Mailand/Lombardei (mit hochflexibler, spezialisierter, krisenfester Struktur) sowie last but not least Barcelona (mit seiner Mischung aus Lifestyle, Internationalität und Technologiebegeisterung). Inwiefern dieses qualitative Ranking für Unternehmen, Investoren, Newcomer und Startups brauchbar sein wird, bleibt abzuwarten. A. A.

Petersen, Sonja: Zukunfts-Regionen. Die 60 „Hot Spots“ Europas für Investoren, Innovatoren und Entwickler. Hrsg. v. Zukunftsinstitut. Kelkheim, 2003. 187 S., € 290,- ISBN 3-934429-03-3

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