Weniger Arbeit wünschenswert?

Den Wunsch nach Arbeitszeitverkürzung skeptisch sehen Reinhold Popp, Reinhard Hofbauer und Markus Pausch vom Zentrum für Zukunftsstudien in Salzburg. Ihre Studie „Lebensqualität – Made in Austria“ gibt einen guten Einblick in die aktuelle Lebensqualitätsforschung, etwa in den Bereichen Konsum, Familie, Partizipation und eben auch Arbeitswelt. Aufgrund der enorm hohen Arbeitsproduktivität – so verweisen die Autoren darauf, dass man für die Herstellung eines Fernsehers heute noch eine Arbeitsstunde braucht, während es 1975 noch über 80 waren! – sowie der Ausweitung der Ausbildungs- und der Ruhestandsphase sei die Lebensarbeitszeit ohnedies bereits sehr stark gesunken, sie mache nur mehr 10 Prozent der Lebenszeit aus (S. 79). Neben Versorgungs- und Familienzeit sei insbesondere die Freizeit stark angestiegen: Freizeit sei heute über weite Strecken „Konsumzeit“. Oder anders ausgedrückt: „Heute wird dem häuslichen Fernsehkonsum im gesamten Lebensverlauf mehr Zeit gewidmet als der beruflichen Arbeit.“ (S. 80) Für die Lebenszufriedenheit wichtiger als Arbeitszeitverkürzungen sind für die Autoren daher eine „gute Entlohnung“, „passende Arbeitszeiten“, „Abwechslung und selbständige Arbeitseinteilung“, „Anerkennung und Wertschätzung“, „kollegiale Kommunikation“, „Karrierechancen“ sowie „Mitbestimmung & Weiterbildung“ (S. 83). Weitere Arbeitsverdichtung sowie zunehmender Stress am Arbeitsplatz würden daher die Lebensqualität am meisten beeinträchtigen, so wesentliche Studienergebnisse. Vier von fünf Beschäftigten in den EU- Mitgliedsländern hingegen seien mit ihrer Arbeitszeit im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit zufrieden – Frauen sogar mehr als Männer! Mit einer Einschränkung, den (schein-) selbständigen Beschäftigungsverhältnissen: „Über deren tatsächliche Arbeitszeiten ist noch wenig bekannt. Die wenigen Daten sprechen jedoch dafür, dass diese Menschen deutlich längere Arbeitszeiten haben.“ (S. 89)

Insgesamt plädieren die Autoren für den Erhalt der sozialen Sicherungssysteme sowie den weiteren Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen, die Arbeit und Familie vereinbar machen. Dafür brauche es auch weiteres Wirtschaftswachstum: „Lebensqualität und Wirtschaftswachstum sind keine Gegner. Glück und Lebensqualität sind dort höher, wo es ein ausgebautes Sozialwesen gibt und die wirtschaftliche Leistungskraft hoch ist.“ (S. 76) Hans Holzinger

 

Popp, Reinhold; Hofbauer, Reinhard; Pausch, Markus: Lebensqualität – Made in Austria. Gesellschaftliche, ökonomische und politische Rahmenbedingungen des Glücks. Wien u. a.: LIT, 2010. 211 S. (Schriftenreihe Zukunft:Lebensqualität; 1) € 19,90 [D], 19,95 [A], sFr 35,90; ISBN 978-3-643-50175-2

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