Via Hoffnung und Zweifel zum Projekt Verantwortung

Die Utopie vom endgültigen Sieg über die Natur ist wie eine Seifenblase zerplatzt. Die Ursache dafür sieht Löw im “ökologischen Schock” der 70er Jahre. Das “Prinzip Hoffnung” schlug damals um in das “Prinzip Zweifel”. Aber weder diese Zweifel noch die eilig ins Leben gerufene Disziplin “Ökologie” konnten die Natur retten. Daraus folgert die Notwendigkeit der Abkehr vom Prinzip Hoffnung (Ernst Bloch) und Hinwendung zum Prinzip Verantwortung (Hans Jonas). Drei zentrale Fragen zum Begriff „Verantwortung” werden Im Folgenden näher beleuchtet.

Die Frage nach dem Warum liegt in der Fähigkeit des Menschen, “gut und vernünftig ebenso wie schlecht und unvernünftig handeln zu können, und hierbei ersteres zu sollen, letzteres zu unterlassen”.

Die Frage, wem gegenüber wir diese Verantwortung tragen, ist für Löw durch die Evolution bzw. die Natur als Objekt unserer Fürsorge nur unbefriedigend beantwortet. Vielmehr hat der Mensch sich selbst und der Schöpfung gegenüber Verantwortung zu tragen. Vor allem sind die kommenden Generationen „Einforderungsinstanz unserer Verantwortung für Natur und Umwelt”.

Schließlich geht es um die Umsetzung des Prinzips Verantwortung in menschliches und politisches Handeln. Erste -Voraussetzung dafür ist das Vertraut-sein mit der Natur (Kenntnis)” denn man kann nur lieben, was man kennt. “Die abstrakte Umwelthysterie ohne eigentliche Liebe zur Natur ist nur die andere Seite der kartesischen Münze einer Natur, die nichts als ,ausgedehnte Sache’ ist.

Für eine verantwortlich geplante Zukunft auf politischer Ebene ist die Einbeziehung von Laien, die Zusammenarbeit aller Parteien sowie die rigorose Handhabung des Verursacherprinzips notwendig. Die Demokratie muß ökologische Probleme so ernst nehmen, “wie es bereits in der Tat ist”. Es gilt, wie schon Hans Jonas feststellte, mit allen Kräften zu verhindern, daß die Naturzerstörung Dimensionen annimmt, die – wenn überhaupt – nur noch totalitäre Lösungen erlauben.

Nach Hoffnung und Zweifel soll also nun Verantwortung retten, was noch zu retten ist. Oder bleibt auch die dritte Phase wirkungslos? Aber nur keinen Pessimismus aufkommen lassen. Vielleicht doch wieder zurück zur Hoffnung?

Löw, Reinhard: Vom Prinzip Hoffnung zum Projekt Verantwortung. In: universitas. 43. Jg. (1988), Nr. 7, S.727-731.

 

 

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