(Un)Vollkommene Marktwirtschaft. Beiträge zur Innovationspolitik

Ausgangspunkt der Überlegungen sind zwei sich diametral gegenüberstehende Thesen: Einmal gilt als herausragende Eigenschaft der Marktwirtschaft, daß sie laufend neue Problemlösungen entdeckt und sich dadurch immer wieder veränderten Bedingungen anpassen kann. Staatliche Eingriffe in Marktprozesse gelten als “Anmaßung von Wissen”. Die andere Position geht davon aus, daß die Marktwirtschaft trotz unbestreitbarer Vorzüge gewisse Unvollkommenheiten aufweist. Staatliche Förderung und Einflußnahme werden in diesem Fall positiv bewertet. Die Beiträge lassen im Sinne einer integrativen Betrachtungsweise erkennen, daß beide Möglichkeiten einander nicht ausschließen.

Peter Oberender schlägt eine Beschränkung der Innovationspolitik auf eine marktwirtschaftliche Ordnungspolitik vor. Staatliche Innovationsförderung darf nämlich die Strukturen der Wirtschaft nicht in eine bestimmte Richtung lenken. Große Bewegungsfreiheit mit institutionellen Rahmenbedingungien sollen den freien Wettbewerb ermöglichen. “Durch Konstanz der Wirtschaftspolitik und durch ihre damit gegebene Vorhersehbarkeit muß eine Aktivierung der Unternehmer ausgelöst werden, die der Motor der wirtschaftlichen Entwicklung sind.” Dagegen wendet sich Erhard Kantzenbach und plädiert für die “Anwendung des Subsidiaritätsprinzips in der staatlichen Innovationspolitik”, d. h. Durchführung von Innovationen nicht ausnahmslos von privaten Unternehmen. Folgende Arten staatlicher Forschungs- und Innovationsförderung sind gerechtfertigt: Grundlagenforschung, marktwirtschaftliche Ordnungspolitik als Rahmen für privatwirtschaftliche Innovationsprozesse und indirekte staatliche Förderung.

Für eine selektive Innovationspolitik tritt HansRudolf Peters ein. Damit meint er vor allem die Schaffung eines innovationsfreundlichen Klimas. Der Autor geht in diesem Zusammenhang auch auf die Abschätzung von Technologiefolgen ein. “Es ist klar geworden, daß ein qualitatives Wachstum, das die Umwelt und die erschöpfbaren Ressourcen schont, sich nicht verordnen läßt, sondern sich allenfalls über umweltschützende Rahmenbedingungen und eventuelle Förderung ressourcenschonender Technologien erreichen läßt.” Schließlich stellt für Hellmuth Stefan Seidenfus die Förderung der Bildung von Risikokapital das notwendige Komplement einer konsequenten Fortentwicklung öffentlicher Innovationspolitik dar, die ihre Hauptaufgabe in der indirekten Forschungsförderung sieht.

Beiträge zur Innovationspolitik. Von Erhard Kantzenbach u. a. Hrsg. v. Josua Werner. Berlin: Duncker u. Humblot, 1987. 82 S. (Schriften des Vereins für Sozialpolitik, Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften; 169) DM 35,- 1sfr 29,701öS 273

 

 

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