Strategie des Miteinander

„Wir werden allen notwendigen Anstrengungen unternehmen, für einen Wandel von einer Kultur der Stärke, der Gewalt und des Zwangs hin zu einer Kultur des Dialogs, der Versöhnung des Rechts und des Friedens.“ Dieser Satz – als zentrale Botschaft eines Traums von dem ehemaligen UNESCO-Direktor Federico Major formuliert, steht gewissermaßen stellvertretend für viele Beiträge in diesem Band. Er versammelt kurz gehaltene Statements überwiegend prominenter Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Philosophie, die ihrer „Hoffnung Europa“ Ausdruck geben. Die Vision eines sozialen, friedfertigen und solidarischen Zukunftsmodells Europa, so zeigt die Lektüre, ist gleichermaßen vielfältig wie tragfähig. So unterschiedlich die nicht nur aus Europa stammenden AutorInnen von ihrem Hintergrund und ihrer Herkunft, und somit die Blickwinkel der mehr als 40 Beiträge auch sind, so ist ihnen doch eines gemeinsam. Sie alle sehen, um mit dem Literaturwissenschaftler Jürgen Wertheimer zu sprechen, Europa (und insbesondere die EU) als „unvollendete, transkulturelle Baustelle“, an der mitzuwirken wir alle mit aufgefordert sind. „Europäische Werte“, „Kultur des Miteinanders“, „Bürgernähe und Partizipation“, „Zukunft der EU“, „Ökosoziale Marktwirtschaft – Für eine Welt in Balance“ und „Globalisierung – made in Europa“ sind die Kapitel überschrieben, in denen das (im Anhang ausführlich beschriebene) Konzept des Global Marshall Plan (GMP) eine wichtige Rolle spielt. Als vorrangiges Anliegen dieser Initiative, deren aktive Unterstützung vor kurzem die Landtage in Oberösterreich und Salzburg beschlossen haben, benennen deren Promotoren Frithjof Finkbeiner, Franz Fischler, Franz Josef Radermacher und Josef Riegler die Konzentration auf die Entwicklung des afrikanischen Kontinents. Durch alternative, internationale Finanzierungsinstrumente (wie etwa die Besteuerung von Finanztransaktionen und international gehandelten Waren) sowie intelligente Instrumente der Kofinanzierung (eines der Erfolgsrezepte der EU) zur Einführung verbindlicher ökologischer und sozialer Standards sollte Europa, so ihre Hoffnung, auch als Vorreiter einen entscheidenden Beitrag zur Umsetzung der UN-Millenniumsziele leisten. Vor allem in den EU-Vorsitz von Österreich, Finnland und Deutschland werden diesbezüglich große Erwartungen gesetzt. Doch gibt es freilich auch durchaus skeptische Stimmen. Mit den derzeitigen Instrumentarien– so etwa der Friedensforscher Johan Galtung – dürften diese Ziele kaum zu erreichen sein. Sein Plädoyer für eine neue, „von den Völkern Europas getragene starke Friedensbewegung“ oder Umsetzung der GMP-Ziele auf regionaler Ebene – keineswegs nur beschränkt auf Maßnahmen der Bewussteinsbildung – verweist exemplarisch auf die zahlreichen, schwierigen und vorerst noch ungelösten Herausforderungen. Freilich, oder besser noch, umso mehr: Der Einsatz für diese tragfähige Vision einer global nachhaltigen Entwicklung ist alle Mühe wert. W. Sp.

Hoffnung Europa. Strategie des Miteinander. Hrsg. v. d. Global Marshall Plan Initiative. Hamburg, 2006. 308 S., € 12 [D]

ISBN 3-9809723-4-8

(Bestellung: GMPI, Steckelhörn 9, 20457 Hamburg, Tel. +49(0)40-822 90 420, www.globalmashallplan.org)

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