Solidarität in der modernen Gesellschaft

Entgegen anderslautender Meinungen, so die These der Autoren, ist Solidarität in modernen Gesellschaften nach wie vor eine Antwort auf soziale Probleme. Sie ist geradezu ein Produkt der Moderne, und entsteht dort, “wo die Zwanghaftigkeit von Macht, die kalte Vertragsförmigkeit des Marktes, die Gefühlssteigerung der Liebe, die gütige Herabneigung einseitigen Helfens nicht hingelangen oder nicht mehr akzeptiert werden und ihre Verbindlichkeit verlieren”. In einem theoretischen Teil werden zunächst Bedingungen, Möglichkeiten, Grenzen und Zweck des Begriffs dargestellt. Ihr praktischer Nutzen innerhalb der Industriegesellschaft wird am Beispiel der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit veranschaulicht. Hier könnte “die Solidarität aller Beschäftigten mit den Nichtbeschäftigten herausgefordert werden, um erstere zu bewegen, auf Arbeitszeit und Lohn zu verzichten, damit für letztere zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden”. Zu bedenken geben die Autoren jedoch, dass überzogene Solidaritätsanforderungen das Gegenteil des Gewünschten bewirken können.   Am Beispiel des erfolgreichen Modellversuchs “Private Unterstützungssnetze” wird gezeigt, welche Bedingungen für Alltagssolidarität zu schaffen sind. Die sprunghafte Vermehrung von Selbsthilfegruppen zeigt auch, “dass Bedarf und Bereitschaft für sachlich und zeitlich eingrenzbare, zwanglose, flexible Formen gegenseitigen Beistands steigen”. Schließlich wird auf die “Solidarität in der Weltgesellschaft” (für Menschenrechte, Migration und Dritte Welt) eingegangen. Für die Autoren bleibt es “das Kunststück einer Entwicklungspolitik als Solidaritätspolitik, zwischen den nicht vermeidbaren, von ihr selbst geschaffenen Folgeproblemen eine Art Balance herzustellen”. Gesucht werden auch Ansatzpunkte für eine Politik, die solidarisches Handeln gegenüber Zuwanderern stärken kann. Die. Autoren betonen abschließend die Bedeutung der Solidarität als “moderne, flexible Regelungskraft”, deren materieller Teil oft nur symbolisch für den umfassenden, sozialen Sinn steht: “Bestärkung durch schwache Verbundenheit.” A. A.

Hondrich, Karl O.; Koch-Arzberger, Claudia: Solidarität in der modernen Gesellschaft. Frankfurt/M.: S. Fischer, 1992. 125 S. (Sozialwissenschaft Fischer) DM 16,90/ sFr 14,30/ öS 131,80

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