res publica

Johannes Voggenhuber – 1977-1982 Sprecher der Bürgerliste Salzburg,  Mitbegründer der Grünen Österreich, ab 1990  Abgeordneter zum Nationalrat und von 1995 – 2009 Abgeordneter im Europäischen Parlament – ist ein begeisternder Redner und es ist einfach ein Vergnügen, seinem scharfen Intellekt zu folgen. Dass er dabei immer von einem hohen moralischen Anspruch geleitet wird, macht seine Reden zu wichtigen Zeitdokumenten, jenseits ihres Unterhaltungswerts, den sie zweifelsohne auch besitzen. Er bleibt konsequent bei „der Sache“, und nie nutzt er sein Talent zu reinen rhetorischen Spielereien oder zur „Vernichtung“ der Gegner. Und so macht es einfach Spaß in das jetzt vorliegende Buch hineinzuschmökern.

Es stellt sich mir allerdings die Frage, wie es einem politisch und zeitgeschichtlich eher unerfahrenem Leser damit geht. Das Buch beginnt mit den Reden vor dem EU-Konvent, chronologisch geordnet – aber außer einem Kurztitel wird nichts über die Rahmenbedingungen, Hintergründe, Vorkommnisse rund um die einzelnen Redebeiträge erläutert. Die Reden zu Demokratie, Grundrechten und Verfassung im Plenum des europäischen Parlaments sind zwar Zeugnisse seines leidenschaftlichen Engagements für diese Themen, ich bezweifle aber, dass dieser Funke überspringt, insbesondere auf ein junges und unerfahrenes Publikum, einfach weil sich die Zusammenhänge oft nur schwer erschließen.

Die „Sisyphusreden“ zu Österreich wurden zwar schon vor mindestens 14 Jahren gehalten, trotzdem haben sie (leider) an Aktualität wenig verloren. Namen müssten getauscht werden, aber sonst….!  Gerade deshalb stellt sich auch hier die Frage nach der „Wirksamkeit“, sowohl der ursprünglichen Rede, als auch hinsichtlich Zielgruppen des Buches. Wünschenswert wäre ein Publikum, das über Studenten der Politikwissenschaften hinausgeht.

Der Text zur europäischen Stadt, „das Salzburg-Projekt“, zeigt die Bandbreite des politischen Menschen Voggenhuber und steht gut für sich allein, ebenso die Beiträge, die für „die Zeit“ 2009/2010 geschrieben wurden, aber es sind auch keine in bestimmten Situationen gehaltenen Reden.

Das Buch zeigt eindrucksvoll, was uns verloren ginge, wenn Johannes Voggenhuber sich nicht mehr öffentlich zu Wort melden würde. Es wird hoffentlich nicht nur Pflichtlektüre für politisch und zeitgeschichtlich Interessierte, die die Reden auch ohne entsprechende „Anleitungen“ einordnen können, sondern es eignet sich durchaus auch als Unterhaltungsliteratur auf hohem Niveau.

H. R.

Voggenhuber, Johannes: res publica. Reden gegen die Schwerkraft. St. Pölten: Residenz, 2010. 376 S., € 24,90, sFr 41,90

ISBN 978-3-7071-3206-7

 

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