Palliative Care

palliativmedizinMit Lehrstühlen an den Universitäten Genf und Lausanne hat das Fach Palliativmedizin in der Schweiz einen herausragenden Status. Das hier in dritter Auflage vorliegende Handbuch, das die in der Eidgenossenschaft gemachten Erfahrungen zusammenfasst, aber auch Herausforderungen diskutiert, richtet sich an niedergelassene Ärzte, die Personen mit fortgeschrittenen und symptomatischen Krankheiten zuhause oder in Hospizen auf der letzten Etappe des Lebens begleiten, an Spitalsärzte sowie an Auszubildende im Bereich der Pflegeberufe. Es ist aber auch Sozialarbeiterinnen, Psychologen und in der Krankenseelsorge Tätigen zu empfehlen. Palliative Care – diesen Terminus bevorzugen die Herausgeber für ihren „umgreifenden multi- und interprofessionellen Ansatz“ (S. 17), der zum Ziel hat, „den letzten Lebensabschnitt des Patienten vorausschauend und mit vereinten Kräften mitzugestalten, seine Autonomie zu stärken und die Würde des Menschen in seiner Vulnerabilität zu schützen“ (S. 14). Nachdem, wie Aldous Huxley treffend feststellte, „die moderne Medizin so große Fortschritte gemacht hat, dass es fast keinen gesunden Menschen mehr gibt“, hätten „die ‚neuen chronisch Kranken‘ nicht nur den Wunsch an ihrer Krankheit nicht unmittelbar zu sterben, sondern dann auch mit der Krankheit eine bestmögliche Lebensqualität zu bewahren“ (S. 11). Der Palliativmedizin komme so eine zunehmend wichtige Rolle im Spektrum der medizinischen Versorgung zu. Palliative Care sei nicht nur im Fall einer Krebsdiagnose von Bedeutung, beschränke sich keineswegs auf die Gabe von Morphium und sei vielfach schon vor dem letzten Lebensstadium von Bedeutung.

Ausführlich werden Symptome im Kontext der palliativen Versorgung (Schmerzen, Ödeme, Müdigkeit, Erbrechen, Inkontinenz  u. a. m.) sowie „besondere Situationen in der Palliativmedizin“ (etwa Sedierung, Sterbehilfe, Besonderheiten der Pharmakotherapie, aber auch Möglichkeiten der Rehabilitation) erörtert. Ein weiterer Abschnitt diskutiert Arbeitsweisen in diesem medizinischen Fachbereich – etwa die Rolle der Pflege, ergänzende Dienste und Therapieformen, die Bedeutung der Seelsorge, die Selbst- und Teampflege aus Sicht der Betreuenden und Prozesse der Entscheidungsfindung am Lebensende. Umfangreiche Anhänge sind konkret auf die praktische Arbeit hin konzipiert: u. a. gibt es Hilfestellungen zur Beurteilung kognitiver Funktionen, zur Protokollierung von Schmerzverläufen, zur Mischung, Verabreichung oder Entsorgung von Medikamenten.

Soweit dies von einem interessierten Laien beurteilt werden kann, ist dieses Handbuch ein Standardwerk, das dementsprechende Beachtung verdient.

 Handbuch Palliativmedizin. Hrsg. v. Hans Neunschwandner u. Christoph Cina. 3. vollständig überarb. Aufl., Bern: Hans Huber, 2015. 474 S., € 36,-, ISBN 978-3-456-85274-4

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