Notwendigkeit von Irrtümern

robertsWie bei etlichen Autorinnen und Autoren der Gegenwart greift auch John Roberts die Totalität der gesellschaftlichen Realität, ihre vermeintliche Unveränderbarkeit, ihr zwanghaftes Fortschreiten an. In seinem Buch „Die Notwendigkeit der Irrtümer“ hebt er die Negation des Erwarteten, als Quelle des Lebens und Verbündeten der Dissidenz auf sein Schild.
Roberts geht von der Erkenntnis aus, dass die sofortige und durchsichtige Wahrheit oder unmittelbare und dauerhafte Lösungen (von Problemen) Denken und Praxis auf eine endlose Selbstbestätigung und somit die Zeitlichkeit des menschlichen Daseins auf eine Abfolge toter und unverbundener Augenblicke reduzieren würde. Der Irrtum verhindert dies. Aber mit Hegels Dialektik weist Roberts dem Irrtum eine noch wichtigere Rolle zu. Irrtum und „Anderssein“ seien, wenn sie einmal aufgehoben sind, weiterhin die notwendige Dynamik der Wahrheit. „Der Irrtum findet sich nicht nur dort, wo die Wahrheit fehlt, sondern wo sie aufgefüllt und hergestellt wird.“ (S. 359)

„Den Irrtum zu verorten und zu definieren, ihn zu riskieren, zu integrieren, mit ihm zu leben ist derweil die Methode, mit der Philosophie, Wissenschaftstheorie, Psychoanalyse und revolutionäre politische Praxis die Negation der positivistischen Wissenschaft als der Sprache der falschen Totalität zustande bringen.“ Damit meint Roberts, dass der Irrtum für die Weiterführung des Status quo ein Problem ist. Wenn er auftritt, wird die prinzipielle Offenheit der Entwicklung deutlich. Etwas, das für viele nicht mehr denkbar scheint.

Roberts, John: Die Notwendigkeit von Irrtümern. Hamburg: Laika, 2015. 381 S., € 26,- [D], 26,80 [A] ISBN 978-3-944233-49-9

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