Mensch, Wasser!

Dass unser Planet zu zwei Dritteln von Wasser bedeckt ist, hat die Illusion des Überflusses genährt, warnen die AutorInnen des vorliegenden Bandes. Dabei sei die Tatsache verdeckt worden, dass Süßwasser technisch nur begrenzt steigerbar ist und daher allein aufgrund der steigenden Bevölkerung immer knapper wird. Denkt man sich das gesamte Wasser der Erde in einer Badewanne, würde die jährlich verfügbare sich erneuernde Menge kaum einen Teelöffel füllen, so der anschauliche Vergleich der MitarbeiterInnen von „Population Action International“. Es gibt heute nicht wesentlich mehr Süßwasser als vor 2000 Jahren, als die Weltbevölkerung weniger als drei Prozent der heutigen sechs Milliarden Menschen betrug. Die Folgen sind eklatant: Der Wasserverbrauch ist allein in den letzten 50 Jahren auf das Vierfache angestiegen. Schon heute sind 26 Länder von Wasserknappheit und -mangel betroffen, im Jahr 2025 werden es laut UN-Statistik bis zu 46 sein.

Die WasserexpertInnen, denen es gelingt, die komplexe Problematik sehr anschaulich zu vermitteln, schätzen die Obergrenze der global verfügbaren, sich erneuernden Süßwassermenge auf zwischen 9000 und 14000 Kubikkilometer pro Jahr. Sehr ungleich ist natürlich die Verteilung dieses Wassers. Stehen in wasserreichen Ländern bis zu 10.000 Jahreskubikmeter pro Person zur Verfügung, so sind es in wasserarmen, aber bevölkerungsreichen Ländern nur einige Hundert Kubikmeter.

Unterschiedlich ist auch die Wasserverwendung. Weltweit ist die Landwirtschaft mit 71 Prozent der größte „Wasserkonsument“. Etwa 23 Prozent entfallen auf Industrie und Energiewirtschaft und nur acht Prozent auf die privaten Haushalte. In Afrika werden 85 Prozent der ohnedies niedrigen Wasservorräte für die Landwirtschaft, zumeist zur Bewässerung verwendet, während im hochindustrialisierten Europa mehr als die Hälfte auf Industrie und Energieerzeugung fallen. Sehr unterschiedlich ist aber auch der private Wasserkonsum: Ein US-Bürger verbraucht im Durchschnitt täglich etwa 650 Liter Wasser für häusliche Zwecke. Dagegen müssen die Einwohner Benins mit weniger als einem Hundertstel davon auskommen – vier Liter pro Tag.

Effizientere Bewässerungsmethoden sowie die Verringerung des Bevölkerungswachstums schlagen die AutorInnen als nicht mehr unbekannte Strategien gegen die Wasserknappheit mit ihren sozialen und ökologischen Folgen für die Länder der Dritten Welt vor. Die Verringerung des Wasserverbrauchs in Industrieprozessketten sowie ein sorgsamerer Umgang mit dem kostbaren Nass durch Privathaushalte wird insbesondere den dichtbesiedelten, mit nicht allzu großem Wasserreichtum ausgestatteten Industriestaaten empfohlen.

Mit fast 11.000 verfügbaren Jahreskubikmetern pro Kopf weist die UN-Statistik Österreich nach Ungarn und Vietnam als drittwasserreichstes Land der Welt aus. In der BRD sind etwa mehr als 2000 Kubikmeter pro Kopf verfügbar, eine Menge, die aber bei sorgsamen Umgang ebenfalls reicht, den Bedarf nachhaltig zu sichern.

Das Buch, das auch die enormen, sich aus der Verstädterung ergebenden Abwasserprobleme, die Rolle des Wassers für Gesundheit und Hygiene sowie mögliche Wasserkonflikte der Zukunft behandelt, macht deutlich, wie groß der Handlungsbedarf für einen nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wasser ist. H. H.

Engelman, Robert; Dye, Bonnie; LeRoy, Pamela: Mensch, Wasser! Report über die Entwicklung der Weltbevölkerung und die Zukunft der Wasservorräte. Stuttgart: Balance-Verl., 2000. 123 S., DM 24,- / sFr 22,- / öS 175,-

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