Massenarbeitslosigkeit und die Zukunft der Arbeit

Arbeitslosigkeit ist ein Problem, das westlich-industrielle „Arbeitsgesellschaften” bis in die Grundfesten erschüttert. Es ist mittlerweile undenkbar geworden, über zeitgenössische Phänomene wie Politikverdrossenheit, Rechtsradikalismus oder die Krise des Sozialstaates zu reflektieren, ohne das Übel der Massenarbeitslosigkeit mitzudenken. Diese Erkenntnis ist der Ansatzpunkt der vorliegenden Studie zweier anerkannter Arbeitsrechtler, denen die Ablehnung der gegenwärtig dominierenden Arbeitsdiskussion gemeinsam ist.

Arbeitslosigkeit lediglich unter Voraussetzungen der zu hohen Arbeitskosten zu betrachten, ist nämlich ebenso falsch wie die Auffassung, es genüge, den freien Kräften des Marktes ihren Lauf zu lassen. Anhand von Ländervergleichen weisen die Autoren nach, dass es nicht in erster Linie darum geht, die Arbeitsmärkte von öffentlichen Ausgaben zu entlasten, sondern um die Frage, welchen Zweck öffentliche Eingriffe in den Arbeitsmarkt haben bzw. wie die gesellschaftlichen Lasten, die sich daraus ergeben, verteilt werden. Und dass es unter heutigen Strukturen der Arbeitsgesellschaft in erster Linie um die Verteilung von Belastung geht. ist seit Ulrich Beck eigentlich unumstritten.

Der erste Teil des Buches ist eine gut zusammengestellte Sammlung unterschiedlicher Problemausprägungen dieser Zusammenhänge – aber auch von Lösungsansätzen – anhand von Medienberichten des letzten halben Jahres. Im zweiten Teil ziehen die Autoren Schlußfolgerungen und versuchen Prognosen für die Arbeitsgesellschaft der Zukunft zu stellen. Dass Lohnreduktionen nicht geeignet sind, um Massenentlassungen zu verhindern, sondern dass es vielmehr auf Flexibilität, Kreativität und Globalität ankommen wird, wird ebenso als Ergebnis festgehalten, wie die Tatsache, dass, sollte die Massenarbeitslosigkeit noch lange Zeit anhalten, letztlich die ideellen und materiellen Grundlagen der Demokratie gefährdet sind.

J. P

Blanpain, Roger; Sadowski, Dieter: Habe ich morgen noch einen Job? Die Zukunft der Arbeit in Europa. München: Süddeutscher Verl., 1994. 175 S., DM 19,80/sFr 198,80/öS 155

 

 

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