MännerLeben im Wandel

„Was macht den Mann zum Mann?“, singt Herbert Grönemeyer. Was unterscheidet „neues Mann-Sein“ von der traditionellen Männer-Rolle?, fragen sich Männergruppen inner- und außerhalb der Kirche. Der Bearbeitung der Männer-Frage fehlten bisher soziologische und empirische Grundlagen, die Diskussionen basierten auf mit Selbsterfahrenem gemixten Vermutungen. Im November 1998 wurden die Untersuchungen zur „deutschen Männerstudie“ abgeschlossen. Der Forschungsbericht: „Männer im Aufbruch. Wie Deutschlands Männer sich selbst und wie Frauen sie sehen“ von Paul M. Zulehner und Rainer Volz hat heftige Diskussionen über die Männer in Deutschland in Medien, in Kirchen und in engagierten Gruppen ausgelöst. Der vorliegende Band versammelt die Kommentare von Fach-Männern zur Studie, sei es in Bezug auf die Forschungsmethode an sich oder auf ein spezielles Ergebnis. Bei der Lektüre wird immer weniger einsichtig, warum keine Fach-Frau um ihre Meinung gefragt wurde: Hier hängen keine Stimmungsbilder von Männern, hier reihen sich wissenschaftliche Stellungnahmen aneinander. Aber warum keine Kommentare von Theologinnen, Pädagoginnen, Psychologinnen, Therapeutinnen oder Ethnologinnen? Oder ist der zweite Teil der Frage der Erhebung “… und wie Frauen sie sehen” bei der Arbeit mit der Studie, bei der Umsetzung wichtiger Ergebnisse nicht mehr wichtig? Ein Pro- und ein Epilog umrahmen die drei großen Kapitel des Buches: „Männer im religiösen Kontext“, „Männer im gesellschaftlichen Kontext“ und „Pädagogische Ansätze“ . Der Beitrag des australischen Geschlechterforschers Robert W. Connell stellt der deutschen Männerforschung in Bezug auf ihren integrativen Forschungsansatz ein gutes Zeugnis aus: In der englischsprechenden Welt herrsche der Profilierung der Genderforschung wegen eine große Isolierung von den übrigen Bereichen der sozialen Forschung vor.

Robert Connell fordert weiters die Globalisierung des wissenschaftlichen Fokus auf die Analyse einer ökonomisch beeinflussten Weltgeschlechterordnung hin. Er skizziert äußerst pointiert die transnationale “business-Männlichkeit”: die starre, disziplinorientierte Männerrolle des Militärs sei im Abklingen, Big Brother schrumpft „und die Weltbühne betritt die flexiblere, klüger kalkulierende, egozentrische Männlichkeit des turbokapitalistischen Unternehmers“. Connell trifft weiters eine Feststellung, die in Varianten in allen hier gesammelten Aufsätzen vorkommt: „Erstens existieren die unterschiedlichen Formen von Männerrollen nebeneinander, und zweitens wird die Vorherrschaft ständig in Frage gestellt.“ Ob globale Arena, regionaler Tummelplatz, Biedermeiersofa oder die Ikea-Couch – die Männerarbeit hat die Ärmel aufgekrempelt, das „Lernfeld Mann“ ist zu weiteren Feldforschungen – auch für Frauen ‑ freigegeben. Chr. G.-R.

MännerLeben im Wandel. Würdigung und praktische Umsetzung einer Männerstudie. Hrsg. v. Martin Rosowski … Ostfildern: Schwabenverl., 2000. 219 S., DM 28,- / sFr 27,- / öS 204,-

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