Kultur – Medien – Märkte

Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) wurde im Juni 2000 mit der Durchführung einer Untersuchung zu der Thematik „Neue Medien und Kultur“ beauftragt. Ziel der Untersuchung war es, „bisherige und zukünftige Auswirkungen der Entwicklung Neuer Medien auf den Kulturbegriff, die Kulturpolitik, die Kulturwirtschaft und den Kulturbetrieb sichtbar zu machen.“ (S. 9)

Nach der Bestimmung der Begriffe „Medien“ und „Neue Medien“ und dem Aufspüren neuer Trends bei der Mediennutzung werden im zentralen Teil der Untersuchung drei Bereiche thematisiert: der Wandel der Kulturkonzepte, die Märkte der Neuen Medien sowie neue Produktions-, Vermittlungs- und Rezeptionsformen in ausgewählten Kulturbereichen.

Unter dem Begriff „Neue Medien“ verstehen die Autoren Medien, „deren technische Basis auf Digitalisierung, Vernetzung, Konvergenz, Datenkompression und Miniaturisierung beruht“ (S. 43). Für das Verständnis des kulturellen Wandels haben die Faktoren Interaktivität, Globalisierung und Virtualisierung von Interaktion herausragende Bedeutung. Mit der Beschleunigung der IK-Technologien erwachsen freilich auch Probleme, die die Autoren nicht ausblenden. Vielmehr entwickeln sie Nutzer- und Nutzungsprofile beim Internet ( „MedienNutzerTypen“) und erörtern Veränderungen beim Leser- und Leseverhalten. Insgesamt sei, so ein zentraler Befund, eine starke Individualisierung und Differenzierung der Mediennutzungsmuster zu beobachten, der Begriff des „durchschnittlichen Nutzers“ sei demnach eine realitätsferne Konstruktion. Die LeserInnen rezipieren Texte zunehmend selektiv, bei den jüngeren wird die Lesemotivation als bedroht erachtet.

Die Neuen Medien wirken somit unmittelbar auch auf den Kulturbegriff zurück. Kultur begreifen die Autoren als einen dynamischen, offenen Prozess, der von Individuen geprägt wird, die als Träger mehrerer kultureller Identitäten zunehmend keine nationale Grenzen kennen. Schließlich wird eine Grobcharakterisierung der Medienmärkte unternommen, wobei auch Prognosen einfließen. Schwerpunkte der Analyse sind Inhalte, Übertragungswege und Endgeräte.

Fazit der Studie: Infolge der Internetnutzung wird die Kluft zwischen Kulturschaffenden und Kulturkonsumenten kleiner, aber nicht aufgehoben. Die traditionellen Vermittler bestimmen weiterhin das Geschehen, wobei neue Instanzen dazukommen. Schließlich werden die Neuen Medien die kulturelle Vielfalt fördern. V. B.

Kultur – Medien – Märkte. Medienentwicklung und kultureller Wandel. Herbert Paschen … (Mitarb.). Berlin: ed. sigma , 2002. 298 S., € 22,90

ISBN 3-89404-821-2

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