KOMMENTAR: Wer hat nun Recht?

„Wer hat nun Recht?“ Betrachtet man die hier vorgestellten Bücher, so drängt sich in der Tat diese Frage auf. Ist es die überbordende öffentliche Verschuldung, vor der etwa der ehemalige DB-Chef Norbert Walter sowie der Unternehmer Ulrich Mössner warnen, oder die zu strikte Sparpolitik, die Europas Wirtschaft abwürgt, wie etwa Markus Marterbauer und Heiner Flasbeck meinen? Brauchen wir mehr Investitionen in den Sozialstaat (Marterbauer) oder ist dieser Teil des Problems (Michael Hüther)? Geht es darum, die Vermögenden stärker in die Finanzierung der öffentlichen Aufgaben einzubinden (Marterbauer) oder gar Vermögen zu begrenzen (Felber) oder soll sich der Staat aus Verteilungs- und Finanzfragen mehr heraushalten (nochmals Hüther)?

Fest steht, dass Wirtschaftswissenschaften wie andere Wissenschaften auch immer auf Normen und Vorannahmen basieren. Hüthers Vorschläge,  die Finanzmarktakteure müssten in Zukunft selber die Risiken tragen und die Bürger wieder mehr Leistungsbereitschaft zeigen, klingen vielleicht plausibel. Ihren ideologischen Hintergrund können sie jedoch nicht verleugnen. Soll der Mohr (Staat), nachdem er seine Schuldigkeit getan hat (Rettung vor dem Crash), nun wieder gehen? Oder ist er gar der Hauptschuldige an der Misere? Wichtiger ist da wohl die Frage der Verfilzung von Wirtschafts- und Politeliten, die transparente Regeln verhindert, wie Uwe Jens kritisiert.

Keine Mitsprache der Bevölkerung bzw. der Parlamente in Finanzfragen, keine Verteilungsfragen stellen, wieder mehr arbeiten und sich anstrengen – das kann es nicht sein! Plausibler erscheinen da wohl jene Analysen, die auf eine Redimensionierung des aufgeblähten Finanzsystems sowie auf die Etablierung in der Tat leistungsorientierter Einkommens- und Vermögensstrukturen drängen. Denn von diesen sind wir weit entfernt! Denkbar würde so ein Zukunftsmodell, in dem alle an Lebensqualität gewinnen. Es ist genug für alle da! Hans Holzinger

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