Umweltbücher von Jutta Ditfurth und Frederic Vester

Wer die grüne Bundestagsabgeordnete Jutta Ditfurth nur aus dem verzerrten Bild kennt, das die Medien von ihr zeichnen, wird überrascht sein, in diesem Buch über die »tägliche legale Verseuchung unserer Flüsse- eine genau argumentierende, kenntnisreiche Autorin und Herausgeberin zu finden, deren warnendes Buch über den sensationellen Fall der Basler Chemiekatastrophe hinausweisend, eine viel umfassendere erschütternde »Entwicklung zum Tode« schildert. Denn nicht nur der Rhein, sondern auch die Donau, die Saar, der Main, die Mosel, die Ruhr, die Ems, die Weser und die Eibe sind durch zahllose Chemikalien schon so vergiftet, dass sie immer mehr zu leblosen stinkenden Kloaken verkommen. Die Folgen für das Grundwasser und Trinkwasser sind durch die bisher noch funktionierende Technik der Wasseraufbereitung nun nicht mehr zu beseitigen. Das Wasserwerk Schierstein/Wiesbaden alleine muss im Trinkwasser nach fünfzehnhundert chemischen Stoffen suchen. Otmar Wassermann, Professor an der Kieler Universität, warnt: »Eine Epidemiologie der Gesundheitsschäden durch lebenslangen Gebrauch solchen Trinkwassers existiert nicht, es wird sie angesichts der komplexen Gesamtsituation auch nicht geben … Es ist keine Zeit mehr zu verlieren.« Und Juttas berühmter Vater Hoimar von Ditfurth ruft den Lesern zu: »Wir müssen uns etwas grundsätzlich Neues einfallen lassen. Was uns droht, wenn wir den Kurs nicht radikal ändern, ist eine Wüste neuer Art … « Ansätze zu energischerer Abwehr dieser neuartigen Lebensbedrohung gibt es, aber sie greifen nicht durch und kommen zu langsam vorwärts. Das »Regional Water Policies Project« der IASA (Laxenburg) ist ein solcher Versuch. In Holland und der DDR wurden unter Mitwirkungen dieses internationalen Instituts Methoden entwickelt, die vor dem Bau neuer industrieller Anlagen eingesetzt werden müssten, um künftige Schäden präventiv zu vermeiden. Notwendig wird auch eine viel intensivere und überzeugendere Information der Öffentlichkeit über diese zukunftszerstörende Entwicklung sein. Wie diese wichtige Aufklärungsarbeit über komplizierte Zusammenhänge auf eindrucksvolle Weise begreiflich gemacht werden kann, zeigt das fünfte „Fensterbuch“ von Frederic Vester »Wasser = Leben«, mit dessen Hilfe jedermann die fünf Kreisläufe des Wassers spielerisch nachvollziehen kann. Eine beispielhafte volksbildnerische Leistung, die sich alle Schulen und Volkshochschulen schnell zunutze machen sollten.

 

Die tägliche legale Verseuchung unserer Flüsse und wie wir uns dagegen wehren können. Ein Handbuch mit Aktionsteil. Jutta Ditfurth; Rose Glaser (Hg). Mit e. Einführung v. Hoimar u. Ditfurth. Hamburg (u.a.): Rasch und Röhring, 1987. 476 S. 

Vester, Frederic: Wasser = Leben. Ein kybernetisches Umweltbuch mit fünf Kreisläufen des Wassers. Ravensburg: Maier, 1987.

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