Jugend 2000

Wie schon ihre Vorgängerin enthält die neue Shell-Jugendstudie, der Serienklassiker der deutschen Jugendforschung, neben umfangreichem empirischem Datenmaterial (4.546 befragte Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren) auch qualitative biographische Interviews, die ergänzend zu nackten Zahlen und Prozentwerten den jungen Menschen ein Gesicht und eine Geschichte geben.

Die „Hauptergebnisse“ konzentrieren sich erwartungsgemäß auf die Lebensbereiche Familie, Beruf/Ausbildung, Werte/Religion, (Europa)Politik. Bemerkenswert ist aber, dass dem Deutschlandbild, dem Ossi-Wessi-Verhältnis und insbesondere den Beziehungen zwischen in- und ausländischen Jugendlichen breiter Raum eingeräumt wird. Dabei sind die Ergebnisse nicht überraschend: wer häufig mit ausländischen Jugendlichen Kontakt hat, meint  dass der Ausländeranteil angemessen ist (45%), während dies nur 22 Prozent der Jugenlichen ohne Kontakt zu Ausländern meinen. Notwendig wäre demnach vor allem die Förderung von integrativen Strukturen und Projekten in Kindergarten, Schule, Stadtteilarbeit usw. durch politische EntscheidungsträgerInnen. Aber genau das möchte ja die Shell-Jugendstudie erreichen, denn – Klappentext – sie „gehört ohne Frage auf den Lesetisch des politischen Praktikers und des politischen Jugend- und Erwachsenenbildners.“ Wer sich die Zeit nimmt und die Mühe macht, sich durch das tabellengespickte Konvolut durchzuarbeiten, wird gewiss das eine oder andere finden, das impulshaft zu konkreten Maßnahmen anregen kann.

Enttäuschend fällt allerdings das geschlechtsspezifische Kapitel „Mädchen und Jungen“ mit 5 1/2 Seiten aus, wobei die AutorInnen auf den noch fertigzustellenden 3. Band verweisen und auf diesen mit einem kurzen Aufsatz „lediglich neugierig machen“ wollen. Auch das Kapitel „Jugend und Politik“ bleibt auf der beschreibenden Ebene stecken (z.B.: die persönliche Distanz zur Politik unter Jugendlichen ist seit 1996 um 1,3% auf 20,9% gestiegen) und enthält keinerlei Angaben zur Akzeptanz bzw. zum Wunsch nach Partizipationsformen in Schulen, Betrieben und Gemeinden. Auch das „heiße Eisen“ Wahlaltersenkung sucht man/frau vergebens, wobei bei einer so umfangreichen Studie grundsätzlich als Mangel das Fehlen eines Stichwort-Registers ins Auge sticht.

Für alle HobbysoziologInnen, die an einer weiteren Auswertung der erfassten Daten interessiert sind, ist eine Diskette gegen einen Unkostenbeitrag bei Psydata Frankfurt erhältlich: Fax: 069-94969122, e-mail: info@psydata.de. P. A.

Deutsche Shell (Hg.): Jugend 2000. 13. Shell Jugendstudie. Hrsg. v. Deutsche Schell, Opladen: Leske + Budrich, 2000. 2 Bände. 496 u. 400 S., DM 29,80 / sFr / öS

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