Grenzen menschlicher Leistungsfähigkeit

Laut Martin Moore-Ede, Professor für Physiologie an der Havard University und Direktor des Instituts für zirkadiane Physiologie, werden pro Jahr weltweit Kosten in Höhe von mehr als 377 Mia. US-Dollar verursacht, die auf mangelnde Munterkeit am Arbeitsplatz zurückzuführen sind. Der Autor hat daraus Konsequenzen gezogen und sein Leben der Erforschung der menschlichen Schlafrhythmen gewidmet. Er behauptet, daß folgende neun “Schalter” die Munterkeit des Menschen beeinflussen: Gefühl dafür, daß etwas gefährlich, interessant oder vielversprechend ist; Muskelaktivität; Tageszeit auf der zirkadianen (körperinternen) Uhr; Schlafvorrat oder -defizit; Nahrung und Chemikalien; Beleuchtung; Temperatur; Geräusche; Gerüche. In schlüssiger, auch für den Laien leicht nachvollziehbarer Weise beschreibt Moore-Ede die Möglichkeiten, wie v.a. Arbeitsplätze und Dienstpläne auf die Bedürfnisse des Menschen abgestimmt werden können. Er rechnet nach, daß durch diese Umstellungen im Endeffekt die Wirtschaftsproduktivität erhöht wurde, da dadurch größere Unfälle (als Beispiele werden Tschernobyl, Bhopal, die ExxonValdez und Challanger u.a. angeführt) vermieden werden können. Schichten-Fehlanpassungssysdrome und der Jetzt-Lag können zum Beispiel konkret durch Hormone und Lichtbestrahlungen behandelt werden. Vor allem aber sollte das am Menschen orientierte Management (MOM) in den großen Betrieben eingeführt werden. Hierbei handelt es sich um ein Maßnahmenbündel, mit dessen Hilfe ” … Technik und Einrichtungen des Unternehmens ganz auf die Unterstützung der physischen und psychischen Bedürfnisse des Menschen ausgerichtet werden, so daß sich die menschliche Kreativität, Effizienz, Sicherheit und Gesundheit voll entfalten können, während die sonstigen Vorzüge der technischen Innovation dem Unternehmen zugute kommen”. 

Zwar wird in dem Buch immer wieder gefordert, daß die Technik auf den Menschen abgestimmt werden müsse, doch richtet sich das Hauptaugenmerk des Autors vor allem auf wirtschaftlichen Gewinn. Quasi als Nebeneffekt der von ihm empfohlenen Änderungen werden Katastrophen Ei la Tschernobyl verhindert oder Krankheiten des einzelnen Arbeiters vermieden. In diesem Zusammenhang ist auch zu erwähnen, daß Moore-Ede stets von der Maschine Mensch spricht, anstatt vom Menschen als fühlendem Wesen. Der Mensch wird also auf seine Leistungsfähigkeit und die Faktoren, welche diese vermindern können, reduziert. Ch. H.

 

Moore-Ede, Martin: Die Nonstop Gesellschaft. Risikofaktoren und Grenzen menschlicher Leistungsfähigkeit in der 24-Stunden-Welt. München: Heyne, 1993. 294 S., DM 34,- / sFr 28,80/ öS 265,20

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