Gottes Gehirn

Thriller Gottes Gehirn RezensionAls Britta Eklund, die Frau des Klimaforschers und Nobelpreisträgers John Eklund, in Florida nach einer Bootsfahrt mit Freundinnen am Steg des eigenen Hauses anlegt, macht sie eine grauenvolle Entdeckung: Das Eigenheim steht in Flammen, und im Wohnzimmer findet sie die Leiche ihres Mannes mit sonderbar leichtem Schädel – ihm wurde das Gehirn entnommen.
Was steckt hinter einer Serie von Morden an herausragenden Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen, die alle Teilnehmer einer bedeutenden, von Softwaregiganten Jeff Adams gesponserten Zukunftskonferenz waren, und die binnen kurzer Abstände auf mysteriöse Weise ums Leben kommen?

Richard Troller, Wissenschaftsredakteur eines angesehenen deutschen Magazins, macht sich, unterstützt von seiner attraktiven und schlagfertigen Kollegin Jane Anderson aus dem Kriminalressort, auf den Weg, um das Rätsel dieser Serie zu lüften und zugleich eine Reportage über die Grenzen der Wissenschaften vorzulegen.

In Form einer von großer Hektik und zunehmender Spannung geprägten Reise, in deren Verlauf eigenartige Dinge geschehen – die UNO beschließt den Schuldenerlass für die Dritte Welt, Israelis und Palästinenser erklären sich zur Gründung einer Förderation bereit, Tiere reagieren auf sonderbar aggressive Weise   lassen Johler und Burow in einer gelungen Mischung von solider Sachinformation und Sciencefiction aktuelle Themen des wissenschaftlichen Diskurses Revue passieren. Die gleichermaßen spannend und kenntnisreich vor dem Leser ausgebreiteten Visionen oder Phantasmagorien der Forschung   von der Wiedervereinigung aller Wissensgebiete, von leistungsfähigen Robotern und Computern, auf deren Festplatten das Wissen der Menschheit gespeichert und sich selbstständig weiter entwickelt; von der biotechnologischen Verbesserung Menschen oder von der Gründung neuer Kolonien fernab unseres Planenten   sie alle finden hier Raum und geben den intellektuellen Rahmen für eine actiongeladene Story, die sich, dramatisch zuspitzt: Wird es gelingen, die durch Allmachtsfantasien eines Einzelnen  drohende Katastrophe abzuwenden? Wird es gelingen, den Möglichkeiten des Menschen Grenzen zu setzen?

Mit diesem Text legen Johler (freier Autor in Berlin) und Burow (Pädagoge in Kassel) nach „Ronsteins Kinder“ bereits ihren zweiten gemeinsamen Roman vor. Ob sie damit, wie es im Klappentext zuversichtlich heißt, ein neues Genre der deutschsprachigen Spannungsliteratur begründen, mag man diskutieren. Mit Sicherheit aber bietet „Gottes Gehirn“ eine gelungene Mischung jener beiden Ingredienzien, die gute Literatur seit je her auszeichnen: Wissensvermittlung und Unterhaltung – und das in einer auch für die filmische Aufbereitung attraktiven Form. W. Sp.

 

Bei Amazon kaufenJohler, Jens; Burow, Olaf–Axel: Gottes Gehirn. Hamburg (u. a.): 2001. 320 S., DM 38,50 / sFr 34,90 / öS 281,–

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