Globale Politik

Franz Nuscheler hat sich in den letzten Jahren mit seinen Arbeiten für eine kooperative und partizipative Gestaltung einer globalisierten Welt nicht nur in akademischen Kreisen einen Namen gemacht. In dieser Festschrift für den Doyen der deutschen Entwicklungs- und Friedenspolitik anlässlich seines 65. Geburtstags melden sich Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft, KollegInnen, Schülern sowie Weggefährten wie Johannes Rau, E. U. v. Weizsäcker, Dieter Senghaas oder Rainer Tetzlaff zu Wort. Neben persönlichen Betrachtungen stehen Fachbeiträge verschiedener Disziplinen. Allen gemeinsam ist die Wertschätzung Nuschelers sowie die Würdigung seiner Auffassung, „dass das Engagement für zivilisatorische Werte und globale Humanität kein Widerspruch zur Wissenschaft ist und sein darf, sondern dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Teil der Gesellschaft sind und der Gesellschaft gegenüber eine Verpflichtung haben“ (S. 22) Die einzelnen Abschnitte geben einen Querschnitt durch ein beeindruckendes Themenspektrum, mit dem sich Nuscheler im Laufe seiner wissenschaftlichen Tätigkeit auseinandergesetzt hat – von Global Governance über die Entwicklung und Frieden bis hin zu Menschenrechten und den Dialog der Kulturen. Selbstverständlich kommen dabei aktuelle weltpolitische Entwicklungen ebenso zur Sprache wie das breite Feld der nachhaltigen Entwicklung, Möglichkeiten des interkulturellen Dialogs und der friedlichen Konfliktlösung. Die Herausgeber machen in ihrer tour d’horizont über die „Zivilisierung der Weltpolitik“ gleich zu Beginn deutlich, worauf es in den nächsten 20 bis 25 Jahren ankäme. So müssen auf den drohenden Klimakollaps sowie auf Hunger und Krankheiten im Süden Antworten gefunden werden. Doch statt im Eiltempo den globalen Strukturwandel einzuleiten, „wird die globale kooperative Politikgestaltung durch die Rückkehr des Krieges als selbstverständliches Mittel zur Durchsetzung von Nationalinteressen paralysiert“ (S. 18). Die Folge sind Rückschläge kooperativer Politikmodelle, und es stellt sich die Frage, ob „Global Governance“ als am Gemeinwohl orientierte Zielsetzung einer globalen Zivilgesellschaft überhaupt noch diskussionswürdig erscheint. Verschiedene Beiträge referieren diese wachsende Kluft zwischen den normativen Konzepten und dem aktuellen Rückfall in eine anarchische, von Gewalt geprägte Staatenwelt. Gerade jetzt in einer Zeit des Zweifels und der Skepsis plädiert die „Stiftung Entwicklung und Frieden“ dafür, das System der Vereinten Nationen und des Völkerrechts zu verteidigen, auszubauen und weiter zu entwickeln. „Ein wichtiges Element zur Stärkung internat. Regelungsmechanismen sind institutionelle Innovationen, beispielsweise die Weiterentwicklung des UN-Umweltprogramms in eine handlungsfähige, finanziell angemessen ausgestattete Umweltorganisation …“.-010 Weiters ist bei der Errichtung einer kooperativen Weltordnung als Gegenentwurf zur US-amerikanischen Dominanz eine Führungsrolle der EU (vgl. Nr. 115) anzustreben und eine Abkehr vom neoliberalen Leitbild in der Wirtschafts- und Sozialpolitik unabdingbar. „Nötig ist eine demokratische Steuerung der Globalisierung zur Verwirklichung von ökologischen, sozialen und friedenspolitischen Zielen.“ (S. 21) Franz Nuscheler plädierte stets, so P. Streeten , für die universelle Anerkennung der Menschenrechte, um anschließend eine Lanze für den HDI als Maßeinheit für die menschliche Entwicklung zu brechen. Jedenfalls sind nach seiner Einschätzung menschliche Indikatoren zukunftstauglicher als Pro-Kopf-Einkommen. Aber auch in diesem Zusammenhang geht es um globale Lösungsperspektiven, wozu Franz Nuscheler stets aktiv und mit Leidenschaft beigetragen hat. A. A.

 

Globale Politik. Entwicklung und Frieden in der Weltgesellschaft. Festschrift f. Franz Nuscheler. Hrsg. v. Thomas Fues …. Bonn: Dietz, 2003. 400 S. € 19,80 [D],20,40 [A], sFr 34,70 ISBN 3-8012-0339-5 

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