Freiheit oder Kapitalismus

„Freiheit oder Kapitalismus“ ist eine Umformulierung des alten konservativen CDU-Wahlkampfslogans aus der Zeit des Kalten Krieges „Freiheit oder Sozialismus“: Themen und Begriffe wie (Welt-)Risikogesellschaft, Individualisierung, das ganz normale Chaos der Liebe, Zweite Moderne etc. dienen Ulrich Beck dazu, den Zustand einer sich immer rascher und tiefergehenden wirtschaftlichen, politischen und damit persönlichen Veränderung zu erfassen

Das Buch führt dialogisch in das Denken des Soziologen ein. Im Gespräch mit Johannes Willms, Historiker und leitender Redakteur der Süddeutschen Zeitung stellt Beck in sechs Themenblöcken (Zweite Moderne, Freiheit oder Kapitalismus, Vom ökonomischen Tschernobyl, Das Risikoregime der Arbeit, Die kosmopolitische Gesellschaft und ihre Feinde, Zweite Aufklärung) seine Grundideen und seine Forderung nach einer transnationalen Komparatistik vor: Wer sind die Verlierer und wer die Gewinner der Globalisierung? Worin bestehen die Chancen und worin die Nachteile der Individualisierung? Warum ist der entfesselte Kapitalismus der ärgste Feind der zivilen Gesellschaft?

Beck wendet sich gegen die Päpste der Soziologie, die die Erste Moderne prägten, und gegen „Zombie-Institutionen“ und „Zombie-Kategorien“, die er als die Folgen einer Territorialbindung einer Soziologie, der Unterstellung einer vorgegebenen Kollektivität des Sozialen und eines Evolutionsprinzips definiert. Soziologie benötige einen neuen Begriffsrahmen und müsse „als transnationale Wirklichkeitswissenschaft im Kleinen und im Großen begrifflich-konzeptionell, empirisch und organisatorisch neu“ be- und gegründet werden.

Dabei steht der immanente Widerspruch zwischen einer politischen Kultur der Freiheit und einer Durchkapitalisierung der Weltgesellschaft im Mittelpunkt. Beck plädiert dafür, der Kultur der politischen Freiheit eine öffentliche Stimme zu verschaffen und sie in ihr gemäße Organisationsformen zu gießen, um den Gefahren eines postmodernen Nationalismus, des Globalismus und eines demokratischen Autoritarismus entgegenzuwirken. Hoffnung mache die Möglichkeit eines Weltlernprozesses und die Herausbildung einer embryonalen transnationalen Regierung, die kein staatliches System ist, sonder auf der Vernunft der beteiligten Akteure beruht. D. P.

Freiheit oder Kapitalismus. Gesellschaft neu denken. Ulrich Beck im Gespräch mit Johannes Willms. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 2000. 293 S. DM 34,- / sFr 31,50 / öS 248,-

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