Feministische Ökonomie

feministischeökonomieBettina Haidinger und Käthe Knittler belegen in „Feministische Ökonomie“, dass es in der Tat eine weibliche Sicht auf Wirtschaft und Wirtschaftswissenschaften gibt. Ihr Buch bietet einen ersten Einblick in die grundlegenden Positionen, Themen und Perspektiven der feministischen Ökonomie. Sie spannen dabei den Bogen von den ersten Ökonominnen der Geschichte, die bis heute weitestgehend unsichtbar geblieben sind, über Kapitalismus- und Marxismuskritik bis hin zu neuen Utopien für eine postpatriarchale und postkapitalistische Ökonomie.

Im Fokus der feministischen Ökonomie steht der unbezahlte Teil der Wirtschaft: die Haus- und Reproduktionsarbeit. Diese unbezahlte Arbeit sichtbar zu machen, sie aufzuwerten und den Androzentrismus in Wissenschaft und Wirtschaft aufzudecken ist das Ziel dieses Zweiges der Ökonomie. Die Kritik der Autorinnen setzt vor allem bei der „Blindheit“ der Ökonomie für geschlechterspezifische Ungleichheiten an. Die beiden argumentieren, dass die Auswahl der Fragestellungen, Themen oder auch Methoden in der Forschung traditionell sehr selektiv stattfindet und so Frauen institutionell ausschließt.

So werden beispielsweise wirtschaftliche Kennzahlen als objektiv und (geschlechts)neutral angesehen, obwohl ihre Berechnungsweise bestehende Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern häufig versteckt. Als bemerkenswertes Beispiel sei das traditionelle BIP genannt, einer der am meisten verwendeten Indikatoren für Wirtschaftswachstum und Wohlstand. Dieser schließt unbezahlte Arbeit – die nach wie vor zum größten Teil von Frauen geleistet wird – vollkommen aus. Würde man unbezahlte Arbeit aber mit einem durchschnittlichen Frauenlohn belegen, würde dies für Österreich in etwa 37,5 Prozent des BIP ausmachen.

Feministische Ökonominnen versuchen daher, diesen Teil der Wirtschaft sichtbar zu machen und die „Geschlechtslosigkeit“ der Ökonomie in Frage zu stellen. Vanessa Marent

 

Haidinger, Bettina; Knittler, Käthe: Feministische Ökonomie: Intro. Eine Einführung. Wien: Mandelbaum Verl., 2014. 168 S., € 11,60 [D], 12 [A], sFr 12,40 ; ISBN 978385476-629-2

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