Europa – Chancen für die Natur?

Den Regenbogen als Symbol der Hoffnung, der Einheit in der Vielfalt und wohl auch einer sanften Politik führt die derzeit 20 Mandatare starke Fraktion der GRÜNEN im Straßburger Europaparlament in ihrem “Wappen “, Ihre Waffen im politischen Kampf gegen eine Übermacht von wachstumsbesessenen Eurotechnokraten sind vorerst jedoch noch stumpf. Zu unterschiedlich sind Herkommen und Anliegen der Delegierten, zu gering ist der Kontakt zur Basis, zu blaß (wenn überhaupt vorhanden) die Vision eines “anderen Europa”. Mag das Wort von der “programmatischen Nulllösung” der Euro-Grünen (Th. Scheuer) auch etwas hart sein, so bleibt festzuhalten, daß allein schon die Vielfalt der Gruppierungen im gesellschaftspolitischen und ideologischen Spektrum zu wenig gebündelt ist, um nachhaltig zu wirken. . In diesen Leerraum einzudringen, ist Anliegen der Herausgeber. Länder-Korrespondenten der Staaten skizzieren in erfreulich offener und realistischer Einschätzung Entwicklung und Wirken der Grün-Gruppierungen und -Parteien. Dabei wird es nicht überraschen, daß neben einer Vielzahl von Erfolgsmeldungen in der umweltpolitischen Basisarbeit – die sich insgesamt wohl auch in einem “ergrünen“ der regionalen und nationalen Parlamente niederschlägt – vor allem auch Skepsis, Zweifel und Resignation auszumachen sind. Während beispielsweise in Spanien und Griechenland ökologisches Denken gegen industrielle Nachholmentalität nur unzulänglich ankommt, haben Anliegen dieser Art in Großbritannien eine lange Tradition. Vergleichsweise günstig nimmt sich die Situation in Italien aus, wo, lange vor dem Algenteppich dieses Sommers, Umweltengagement selbst politisch Divergierende vereint, wie dies etwa die Gruppe um Alexander Langer in Südtirol beweist. Da sich die Eurobürokratie in Brüssel in punkto Umweltschutz auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigt, und nationalstaatliche Entscheidungen zur Schonung von Boden, Luft und Wasser vor Gericht als Behinderung des freien Warenaustauschs mit Erfolg eingeklagt werden können, sind Umweltdeklarationen wie die Einheitliche Europäische Akte in welcher die Staats- und Regierungschefs 1987 die Berücksichtigung der Umweltbelange zum Rechtsprinzip erhoben hatten, wohl kaum das Papier wert, auf dem sie festgehalten sind.  

Die Einschätzung der EG als “Schutzgemeinschaft für Umweltverschmutzer” ist realistisch und bestätigt sich tagtäglich. Die Vision eines “grünen Europa” ist ebenso dringend wie der Verwirklichung fern. Wichtige Anregungen dazu bietet dieses Buch insofern, als es einlädt, von der ökologischen Kirchturmspitze herabzusteigen, um nicht nur lokal, sondern auch global zu handeln. (Ein informatives Glossar über ökologische Parteien, Adressen- und Zeitschriftenlisten ergänzen und bereichern den Band.)

 

Natürlich Europa. 1992 – Chancen für die Natur? Hrsg. v. Michael Franken und Walter Ohler. Köln: Volksblatt-Verl., 1989. 236 S.

 

Weiterführender Literaturhinweis: Stellungnahmen zur europäischen Integration von sozialdemokratischer und grüner Seite enthält der Titel: Tendenzen Europas. Protokoll Internationaler Dialog 19.-20.1988. Bann: Initiative Dialog Europa, 1989. 301 S.

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