Ethik für die Erwachsenen von morgen

Der Autor, Professor für Ethik in Bilbao, wählte für diese Zeilen die Anrede Du, um seinem Sohn in vertrauter Form und mit Bedacht auf Allgemeinverständlichkeit seine Ansichten über den Sinn des Lebens und die Bedeutung von Begriffen wie Verantwortung, Gewissen, Gerechtigkeit, Freiheit und Egoismus mitzuteilen. Darüber hinaus möchte er Jugendliche ansprechen nicht mit dem Ziel “,richtig’ denkende Bürger hervorzubringen ( .. ), sondern (zur) Förderung der Heranbildung selbständig denkender Menschen” beizutragen. Fernando Savater versucht zu zeigen, warum man nicht vor den vielen Entscheidungsmöglichkeiten unserer Epoche zurückschrecken sollte; dabei beschäftigt ihn der Begriff Freiheit besonders. Sie besteht darin, aus dem Möglichen auswählen zu können. Allerdings sind wir “nicht frei auszuwählen, was uns passiert (…), sondern wir sind frei, auf das, was uns passiert, auf diese oder jene Weise zu reagieren”.

Auszuwählen wären nach Ansicht Savaters v. a. jene Optionen, die eine größere Anzahl weiterer Optionen offenhalten. Jeder junge Mensch muss fähig werden, sein eigenes Leben in gewisser Weise zu erfinden und nicht einfach das zu leben, was andere erfunden haben. Der Autor betont die Bedeutung von lieben und geliebt werden, was ihm wichtiger scheint als besitzen und beherrschen. Ein weiteres grundlegendes Prinzip ist für ihn, die Menschen wie Menschen zu behandeln. Dieses “Menschenrecht” bedeutet gleichzeitig, die eigenen Interessen zu relativieren, um sie mit dem Gegenüber in Einklang zu bringen. Auch die Frage nach der höchsten Belohnung, die uns eine Anstrengung im Leben einbringen kann, wird gestellt: “Das Höchste, das wir überhaupt erreichen können, ist Freude.” Hinsichtlich der Politik erteilt Savater den Rat, jenen zu misstrauen, “die es für ihre ,heilige’ Pflicht halten, den Leuten im allgemeinen immer Moralpredigten zu halten”.

Neben Beispielen aus Literatur, Film und Geschichte werden unter der Rubrik” Lies noch was” mehr oder weniger aussagekräftige Zitate beigesteuert. Außergewöhnlich sind weniger entschuldigende Einschübe wie” falls es Dich interessiert” und pädagogisch behutsames Vorangehen von einem zum nächsten Kapitel, sondern vielmehr die roten Lettern, alles darauf angelegt, die hoffentlich zahlreiche jugendliche Leserschaft nicht abzuschrecken. Savater vermittelt eindringlich, dass Kids aus ihrem Leben viel machen können, wenn sie nur wollen.

Savater, Fernando: Tu was du willst. Ethik für die Erwachsenen von morgen. Frankfurt/M. (u. e.): Campus-Verl., 1993. 152 S., DM 26, – / sFr 24, 10 / ÖS 202,80

A. A.

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