Die Zukunft der Arbeit in der Informationsgesellschaft

Der Band enthält 19 Beiträge hervorgegangen aus einer gemeinsamen Tagung des “Forums Informatikerinnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung’; der “Deutschen Vereinigung für den Datenschutz” und des “Zentrums Ethik in den Wissenschaften” der Universität Tübingen. Das Spektrum der Themen ist breit und soll zugunsten der Hervorhebung besonders interessanter Referate nur stichwortartig umrissen werden: Neben grundlegenden Betrachtungen zu Ökonomie, Ökologie und Arbeitswelt in der Informationsgesellschaft sind praxisorientierte Arbeiten enthalten, etwa zum Einsatz von Multimedia im Bildungswesen, zur Veränderung von Managementfunktionen bei Telearbeit, zu Problemen des Datenschutzes im Zuge der Internationalisierung des Datenverkehrs und zur Implementierung des Internets im Kongo.

Aus dem Blickwinkel der aktuellen Debatte um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft in den Industrieländern erweckt der – leider sehr kurze – Beitrag „AnwendungsentwicklerInnen nach Indien. Wo sind in Zukunft unsere Arbeitsplätze?” besondere Aufmerksamkeit. Anhand zweier Projekte aus der industriellen Softwareentwicklung wird über divergierende Erfahrungen deutscher Unternehmen mit indischen Partnern berichtet: Während eine Kooperation so erfolgreich verlief, daß mehrere Nachfolgeaufträge erteilt wurden, mußte im anderen Fall die Zusammenarbeit eingestellt werden. Es zeigt sich aber, daß bei entsprechenden Rahmenbedingungen nicht nur einfache Codierungstätigkeiten, sondern auch anspruchsvolle Aufgaben auszulagern sind.

Durch verstärkten Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien ließe sich der Umweltschutz in der Industrieproduktion verbessern, zeigt UIrich Briefs. Dazu bedürfe es u. a. einer verstärkten öffentlichen und privaten Förderung der Forschung in der Umweltinformatik, der Entwicklung und Konkretisierung von Konzepten des produkt- und produktionsintegrierten Umweltschutzes sowie eines ökologischen Informationsmanagements – alles unter Einbeziehung der Arbeitnehmer. Bei allem Optimismus, der hier verbreitet wird, ist nicht zu übersehen, daß dieser Weg der Ökologisierung der Wirtschaft nicht nur technologische Entwicklungen, sondern eine entsprechende politische Struktur und Kultur voraussetzt.

Der Terminus ”Informationstechnologie” liefert hier gleichsam eine lose Klammer unterschiedlichster Aspekte und Interessenslagen: allgemeine Betrachtungen und spezifische Fragestellungen reihen sich eher willkürlich aneinander. Eine klarere Strukturierung hätte dem Band gutgetan.

W Sch.
Schöne neue Arbeit. Die Zukunft der Arbeit vor dem Hintergrund neuer lnformationstechnologien. Hrsg. v. Jochen Krämer … Mössingen- Talheim: Talheimer-Verl., 1997. 297S. (Sammlung kritisches wissen) DM/sFr44,-/öS 321

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