Die ziellose Republik

Der Politologe Franz Walter spricht vom Klein-Klein des machtpolitischen Austarierens der Großen Koalition, das zu Selbstblockaden führe, vom „kleinsten gemeinsamen Nenner“, der nur Mittelmaß zulasse. Die harten Konflikte würden unter den Teppich gekehrt, die Bevölkerung halte still, niemand mucke auf, nicht einmal die Marginalisierten, die Arbeitlosen, die Intellektuellen oder die Jugendlichen, die um ihre Zukunft fürchten müssen. Deutschland sei zur „ziellosen Republik“ verkommen, so Walters zentraler Vorwurf. Notwendig seien neue sinnstiftende Ziele: „Denn ohne Ziele fehlt die Richtschnur, gleichsam die Grammatik jeden Handelns. Ziele orientieren, sie motivieren, assoziieren Individuen. Sie reduzieren Komplexität, sie ordnen und hierarchisieren das Tun, sie setzen Prioritäten, bündeln Energien, entfachen Anstrengungen.“ Ziellosigkeit dagegen produziere Leere, Ängstlichkeit, „den Extremismus purer Gegenwärtigkeit“.

Walter, Franz: Die ziellose Republik. Gezeitenwechsel in Gesellschaft und Politik. Köln: Kiepenhauer & Wietsch, 2006.

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