Die Resonanzstrategie

Fritz Reheis, promovierter Soziologe und Erziehungswissenschaftler, ist seit langem einer der wichtigen Vordenker einer langsameren Lebensweise. Das kommt bei ihm aber keineswegs esoterisch daher: Reheis ist sehr rational, logisch und basiert seine Argumente auf historischen, ökonomischen und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. In seinem Buch Die Resonanzstrategie versucht er, die Diskurse zum Thema „Resonanz“ aus verschiedenen Bereichen zu verbinden. Er bezieht sich dabei unter anderem auf Arbeiten des Molekularbiologen Friedrich Cramer und des Soziologen Hartmut Rosa.

Hier sein Argument: Es gibt so etwas wie eine Ökologie der Zeit, Rhythmen die ökologisch vorgegeben werden. Wie Ebbe und Flut, Tag und Nacht oder Biorhythmen. Wenige dieser Takte können von Menschen geändert werden. Unser Leben heute richtet sich aber nach einem Takt, der zu erheblichem Anteil ökonomisch vorgegeben wird. Reheis meint, dass wir eine Synchronisation dieser Takte brauchen. Besonders wichtig ist die Synchronisation mit der Natur, dem Nachwachsen von biologischen Ressourcen. Deswegen kommt er zu dem Schluss, dass Nachhaltigkeit in Bezug auf den Begriff Zeit zu denken ist. Fortschritt ist aber trotzdem denkbar, dieser muss aber die Rhythmen akzeptieren. Resonanz ist dabei der wichtige Vorgang, anhand dessen man die Synchronität überprüft. Sehr spannend zu lesen.

Von Stefan Wally

Reheis, Fritz: Die Resonanzstrateige. Warum wir Nachhaltigkeit neu denken müssen. oekom, München 2019. 412 S. 

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