Der Hoffnungslosigkeit widerstehen. Wege aus der Krise

Ein neues Buch unter vielen gegen Resignation und Hoffnungslosigkeit, ein Aufruf zur gesellschaftlichen Veränderung und zum Erkennen des eigenen widersprüchlichen Verhaltens. “Spüren wir an der Art, wie wir wider besseres Wissen leben, Auto fahren, konsumieren, produzieren, den gleichen schleichenden Suizid, den jeder Raucher mit dem Zug an seiner Zigarette symbolisiert?” Für Copray gibt es geradezu die Lust an der Bedrohung, an der Katastrophe, die “die Intensität des Lebensgefühls ebenso (steigert) wie die Dankbarkeit, noch einmal davongekommen zu sein”. Weder Pessimismus noch Optimismus taugen seiner Ansicht dazu, “mit Leben und Zukunft fruchtbar umzugehen”.

Hoffnung ist nach Copray das einzige Überlebensprinzip, ist “Grunddynamik menschlichen Lebens und Handelns, ist die Fähigkeit zur Utopie”. Als schöpferischer Prozeß – nicht als Machbarkeitswahn der Wachstumsideologie – ist Hoffnung erlernbar. Als Theologe kommt Copray schließlich zum Lebensprinzip, zur Erklärung unserer Existenz. “Ohne Hoffnung gibt es keinen Grund zu leben. (…) Unsere Hoffnung auf Über-Leben, für die es sich lohnt, zu leben und zu sterben, fordert uns dazu heraus, im Über-Leben Gott selbst, das Über-Leben als Gott wahrzunehmen. “

Copray geht es um die Bewältigung von Angst und Trauer in der Zukunftskrise. Er hält es aber für eine gefährliche Vereinfachung, religiösen Glauben in seiner Funktion der Angstbewältigung mit einem Mittel gegen Depression gleichzusetzen. Andererseits gilt ihm Hoffnung als Kern der Religion. Nahtlos fügt sich daran die Behauptung, es fehle uns an Lebensbegleitern. Aus religiöser Sicht ist die Antwort schnell gefunden, mündet doch alles im göttlichen Leben. Doch zuweilen verblüfft Copray mit durchaus lebenspraktischen, weltlichen Vorschlägen. Da uns Lebensbegleiter fehlen, “die uns aufgrund eigener Erfahrung durch diesen Reifungsprozeß von Pessimismus und Optimismus, von materieller Hoffnung und Hoffnungslosigkeit zur Subjektwerdung in Hoffnung begleiten”, bedürfen wir therapeutischer Betreuung ganz besonders. Copray denkt dabei vor allem an humanistische Therapien, die auf Entwicklung und Wachstum des menschlichen Potentials ausgerichtet sind.

Lesenswertes bietet Copray dort, wo er deskriptiv Philosophen und Wissenschaftler mit ihren Gedanken zu Hoffnung, Angst, Trauer und Religion zu Wort kommen läßt. Dabei stören seine Ausführungen gegen J. P. Sartre nicht. Man leidet zuweilen sogar mit dem Theologen, wenn er vom Nihilismus als Feind der Religion spricht.

Copray, Norbert: In Hoffnung widerstehen. Wege aus der Krise. München: Kösel, 1988. 108 S. (Horizonte des Religiösen) DM 16,80/sfr 14,20/öS 131,-

 

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