Der Generationenpakt

 Einen in den bisherigen Debatten wenig bedachten Aspekt der Zukunft sozialer Sicherung im Kontext der demografischen Veränderungen skizziert der Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski in seinem neuen Buch, wenn er dem die zukünftige Finanzierung der Pensionen regelnden „Generationenvertrag“ einen neuen “Generationenpakt” hinzufügt: “die gelebte Solidarität zwischen den Generationen”. Zukunftsvorsorge basiere demnach auf einem “Dreisäulen-Modell”:”Die erste Säule ist erarbeitet und verdient (= Gesetzliche Grundversorgung), die zweite Säule erspart und bezahlt (= Private Zusatzversorgung) und die dritte Säule ist erlebt und gelebt (= Soziale Altersversorgung)” (S. 11f). Die vorliegende Studie beginne dort – so der Autor pointiert, wo der Bericht der Rürüp-Kommission “Nachhaltigkeit in der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme” aufhört, nämlich bei den von den BürgerInnen selbst erbrachten Leistungen. Die Gründe für seine Zuversicht sieht der Sozialforscher in den insgesamt gestiegenen materiellen Ressourcen (“Zu den Hilfeleistungen der Jungen gesellen sich die Vermögenswerte der Alten”, S. 12) sowie in den aufgrund der höheren Lebenserwartung an Bedeutung gewinnenden Generationenbeziehungen, die in Zukunft nicht mehr nur Eltern und Kinder, sondern auch Enkel und Urenkel umfassen werden. Die alte Großfamilie “unter einem Dach” sei zwar im Verschwinden, sie werde aber abgelöst durch die “Mehrgenerationenfamilie an verschiedenen Orten”. Dieser neue Familientypus bilde zwar keinen gemeinsamen Haushalt, pflege aber doch enge familiäre Beziehungen: “Die Mehrgenerationenfamilie lebt vom Kontakt auf Entfernung und ist zur Stelle, wenn Rat, Hilfe und Unterstützung gebraucht werden.” (S. 22) Längsschnittuntersuchungen würden zeigen, dass Generationenbeziehungen wichtiger werden als Partnerbeziehungen (“Sie weisen ein höheres Maß an Stabilität auf.”) Opaschowski beschreibt ein optimistisch-positives Szenario der “Mehr-Generationen-Gesellschaft” des 21. Jahrhunderts, in der ein langes Leben mit der Bildung neuer sozialer Netzwerke (Anstieg der Freiwilligenarbeit, Selbsthilfegruppen usw.) sowie einer erneuten Stärkung familiärer Bindungen (“Das Gefühl gebraucht zu werden”, S. 76) einhergeht. Zu Ende gehe – auch davon ist der Autor überzeugt – die Spaßgesellschaft (“Die Ichlinge sind auf dem Rückzug”, S. 182). Notwendig seien aber politische Reformen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie beweglichere Erwerbs- und Lebensbiografien unterstützen. Dazu finden sich Vorschläge im abschließenden Kapitel. H. H.

 

Opaschowski, Horst W.: Der Generationenpakt. Das soziale Netz der Zukunft. Darmstadt: primus-Verl., 2004. 253 S., € 19,90 [D], € 20,50 [A), sFr 33,90 ISBN 3 896 78487-0

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