Der Cyborg und das Krokodil – Umgang mit Technologie

gerovonrandowUmgang mit Technologie: Dass Technik auch glücklich machen kann, ist der ZEIT-Redakteur Gero von Randow überzeugt. Das suggeriert zumindest der Untertitel seines neuen Buches über die Signatur des Digitalen, das unsere Welt in einer Weise durchdringt, „die sich mit technischen Begriffen allein nur noch sehr eingeschränkt beschreiben lässt. Als eine gesellschaftliche Technik wird sie nicht bloß von den Gesellschaftsmitgliedern angewendet, vielmehr besteht ihr Sinn überwiegend darin, die Handlungen der Gesellschaftsmitglieder zu beeinflussen“ (S. 50). Als logische Konsequenz erleben wir heute die Konstruktion einer neuen Wirklichkeit durch die Digitaltechnik, so der Publizist.

Die menschliche Gesellschaft arbeitet sich an Dingen ab, ist von Randow überzeugt. „Einer stellt ein Ding her, ein anderer benutzt es, ein weiterer macht es kaputt, noch jemand repariert es, wieder jemand klaut es, schließlich wird es entsorgt, recycelt und geistert selbst dann noch durch die soziale Welt (…), weil es nach seiner Verbrennung als klimavergiftendes Atmosphärenteilchen weltweite politische Aktivitäten auslöst.“ (S. 11). Der Autor verschweigt aber auch nicht die immer wieder diskutierten Schattenseiten neuer Technologien wie soziale Entfremdung, Sucht und Abhängigkeit, Gefährdung der Datensicherheit. Deshalb sei es unsere Aufgabe, die menschliche und die künstliche Intelligenz in Einklang zu bringen und zu prüfen, ob wir alles wollen müssen, was wir brauchen sollen.

Wie aber sollen wir mit all den neuen Dingen umgehen? Dazu entwickelt von Randow eine metaphorische Typologie des Umgangs mit Technologien – vom Aal über Hamster und Igel bis zum Krokodil und unterbreitet Vorschläge für ein Design des Lebens in der technischen Welt. Es seien an dieser Stelle einige davon genannt: 1. Werden Sie zum Krokodil (Hören und schauen Sie sich um und greifen Sie zu, wenn sie Lust haben.) 2. Haben Sie keine Angst vor dem Lernen und auch nicht vor dem immer neuen Bedienungswissen (Irgendwann wird dieses Wissen ein Hintergrund.) 3. Einfach ausprobieren (Erst im Verlauf der Benutzung lernt man die verschiedenen Möglichkeiten kennen.) 4. Alles kommt wieder (Die Entwicklung ist nicht linear, man muss mit Zyklen des Wiederkehrens rechnen.) 5. Diäten funktionieren nicht (Man muss sich immer wieder überlegen, ob und wozu ein Gerät gerade nötig ist oder nicht.). Gero von Randows Buch ist ein Aufruf, der Technik ohne Angst, aber mit kritischem Bewusstsein und mit der Lust zum Spielen zu begegnen. Alfred Auer

Bei Amazon kaufenRandow, Gero von: Der Cyborg und das Krokodil. Technik kann auch glücklich machen. Hamburg: ed. Körber-Stiftung, 2016. 173 S.,  € 14,- [D], 14,40 [A]
ISBN 978-3-89684-175-9

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