Das falsche Versprechen der New Economy

New EconomyDas neoliberale Bild von der Wirtschaft will uns Glauben machen, dass von der Entwicklung des freien Marktes alle Beteiligten profitieren. Der Autor und Magazinherausgeber Thomas Frank demaskiert diese Versprechen eindrucksvoll, wenn er belegt, dass vom Aktienboom nur wenige profitiert haben, die Lohnentwicklung die Ungleichheit wachsen lässt und die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird. Ausgehend von der Feststellung, dass der Marktpopulismus eine ebenbürtige Kraft braucht, „die sich den Anforderungen des Profits im Interesse einer demokratisch verfassten Marktwirtschaft widersetzt“ (S. 15), gelingt es dem Autor vortrefflich, mit seinem Buch die Basis für eine solche Kraft zu schaffen.

Wie kaum ein anderer analysiert und kritisiert Frank die Wegbereiter der aufkeimenden New Economy und des Marktpopulismus in den 90er Jahren – ausgehend von diversen soziologischen Studien und Standardwerken, Arbeiten namhafter Wirtschaftsexperten, die es mit unglaublicher Leichtigkeit schafften, „den Kulturpopulis-mus und den Populismus des Marktes zusammenzubringen“ (S. 351) bis hin zur vermeintlich „Dritten Macht im Staate“, dem Journalismus. Neben vielen anderen wird etwa Thomas Friedman, der Kolumnist der New York Times, heftig dafür gerügt, Marktenthusiasmus und Lohndrückerei mit Beifallsrufen für Demokratie und Sorge für die Arbeiter zu verbinden. „Die Gleichsetzung von Demokratie mit den neoliberalen Prinzipien war für ihn so selbstverständlich, dass seine Schriften den Eindruck erwecken, als würde der Markt alles, was er berührt, auch befreien und demokratisieren.“ (S. 91)

Die Demokratie des freien Marktes entspringt für Frank dem Reich der Fantasie, denn grundsätzlich sind Märkte keineswegs demokratisch. „Wir haben Bill Gates nicht gewählt, wir haben uns nicht eines Tages alle zusammengesetzt und uns darauf geeinigt, dass wir ausschließlich sein Betriebssystem benutzen und dafür so viel bezahlen wollen, wie er für richtig hält.“ (S. 113) Die Logik der Wirtschaft, so der Autor, heißt Zwang, Monopol und nicht freie Wahl, Service und allgemeiner Wohlstand.
Frank schlägt vor, dass wir uns vorstellen, wie das alles aus einer historischen Distanz aussieht, wenn die Euphorie abgekühlt, die Gelben Seiten und die Werbung aus-bleiben, Websites abgeschaltet und die übertrieben hohen Aktienkurse sich für 30 Jahre auf einer Linie 70 Prozent unter dem Kurs von 1999 einpendeln: … „dann werden wir auf diesen langen Sommer der Liebe der Unterneh-men“ – Anspielung auf die neuen alten Managementme-thoden – „zurückblicken und uns fragen, wie es kommen konnte, dass wir das alles geglaubt haben“ (S. 414).

Zufrieden äußert sich der Autor zumindest darüber, dass auf den Straßen von Seattle eine zufällige Koalition der erstaunten Welt zeigte, welche Kraft der Demokratie wirklich innewohnt (vgl. S. 416). Im übrigen glänzt er als präziser Kritiker, bedauerlicherweise aber nicht als jemand, der mit konstruktiven Vorschlägen die Gestaltungsmöglichkeiten für eine nachhaltige Wirtschaft der Zukunft auslotet. A. A.

Bei Amazon kaufenFrank, Thomas: Das falsche Versprechen der New Economy. Wider die neoliberale Schönfärberei. Frank-furt/M. (u. a.): Campus, 2001. 420 S., € 26,45 / DM 49,80 / sFr 45,60 / öS 364,-

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