Chemiekatastrophe am Rhein

„Fenster schließen! Zu Hause bleiben! Radio hören!“- so wurde die Bevölkerung von Basel am 1. November 1986 morgens gewarnt. Das Buch gibt eine Chronologie der laufenden Ereignisse, und beschreibt, im Einzelnen, was am frühen Morgen des Allerheiligentages in Schweizerhalle bei Basel geschah. Ein Chemielager der Sandoz AG geht in Flammen auf und damit gelangen giftige Chemikalien in die Luft und in den Rhein. Der ausgelöste Katastrophenalarm kurz nach dem Unglück um 0.19 Uhr wird bereits nach dreieinhalb Stunden wieder aufgehoben. Die Katastrophe kann als Brandfall erledigt werden. Nach dem Unglück begann das bekannte Verwirrspiel von Desinformation, Dichtung und Wahrheit, Beruhigung und Verdrängung. Das Buch dokumentiert das wirre Reagieren von Behörden und Industrievertretern. Nach den ersten Beschwichtigungen wird nach und nach klar, dass der Brand viel schlimmere Folgen hatte als zunächst angenommen. In einem Interview in der Baseler Zeitung lässt Sandoz-Chef Marc Moret schreiben: »lch möchte mich in aller Form bei der Bevölkerung entschuldigen.«  Nach der Lektüre kann man erstmals nachvollziehen, was wirklich geschehen ist, und wie Verantwortliche eine andere Wirklichkeit konstruieren. Die zunächst vor Angst erstarrte Bevölkerung kommt im zweiten Teil mit ihren Reaktionen und Manifestationen zu Wort. Der Spruch auf einer Einladung anlässlich des 100. Geburtstages der Firma – »Sandoz – 100 Jahre für ein Leben mit Zukunft« – erweist sich als blanker Hohn.

Das Ereignis: Chemiekatastrophe am Rhein. Hrsg. v. Guido Bachmann u.a. Basel: Lenos, 1986. 207 S. 

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