Gestaltlosigkeit, Chaos, Komplexität und Ordnung im Kosmos

Davies möchte die bedeutsamen Veränderungen innerhalb der naturwissenschaftlichen Paradigmen (Newton, Thermodynamik) unter Einbeziehung der neuesten Erkenntnisse aus all jenen Disziplinen, in denen Komplexität und Selbstorganisation auftreten, darstellen. “Jetzt gibt es das neue Paradigma des schöpferischen Universums, nach dem die physikalischen Vorgänge etwas Progressives, Innovatives haben.” Für den Autor kann die fortdauernde Kreativität der Natur nicht mit den uns bekannten physikalischen Vorgängen erklärt werden. Forschungen auf unterschiedlichen Gebieten haben gezeigt, “daß physikalische Systeme eine ausgeprägte Tendenz haben, spontan neue Ordnungen hervorzubringen”. Daraus ergibt sich auch ein neues Verständnis dafür, wie aus Gestaltlosigkeit und Chaos Komplexität und Ordnung entstehen können. Dies eröffnet für die bisher nicht geklärte Frage nach der Entstehung des Lebens neue Möglichkeiten – vom Zufallsereignis weg hin zum natürlichen Endzustand von Zyklen sich selbst organisierender chemischer Reaktionen. Aufgrund dieser Auffassung wird das Universum nicht mehr als eine sterile Maschine betrachtet. Der Urknall brachte die Entwicklung zwar in Gang, reicht aber zur Erklärung des schöpferischen Universums nicht aus.

Nach Ansicht Davies’ deutet die Tatsache der Entstehung und Entwicklung komplexer Strukturen und die Prozesse der Selbstorganisation nachdrücklich darauf hin, daß hinter allem ein Bauplan – ein Schöpfungsplan – steckt. Die Einsicht in die ständig neu entstehende Ordnung aus dem Chaos führt zu einem neuen Weltbild, das für jene, die nach einem Sinn auch ihrer Existenz suchen, zu Optimismus Anlaß gibt.

Davies, Paul: Prinzip Chaos. Die neue Ordnung des Kosmos. München: Bertelsmann, 1988.314 S. DM 38,- / sfr 32,20 / öS 296,40