Warum wir eine radikale Wende brauchen:

Maxton-ChangeGraeme Maxton, zuletzt Generalsekretär des Club of Rome, setzt in seiner Publikation „Change“ einen Kontrapunkt zu Radermacher. Auch Maxton sieht in der Klimaerwärmung das zentrale Zukunftsproblem der Menschheit, seiner Meinung nach könne diese jedoch nur mit klaren politischen Vorgaben auf ein bewältigbares Maß begrenzt werden. Der schottische Ökonom spricht Klartext. Die Wende werde mit Wertvernichtungen und Einschränkungen einhergehen müssen; so seien Sektoren der Fossilbranche, Petrochemie, Zementproduktion, Auto- und Flugzeugindustrie gänzlich zu schließen bzw. umzubauen, Investitionen in diese Bereiche stillzulegen.

Mit einzelnen kleinen Schritten sei die Klimakatastrophe nicht abzuwenden, ist Maxton überzeugt. Ignorieren wir diese Tatsache, würde es der Menschheit letztlich teuer zu stehen kommen. Der Autor stellt den auf Profitorientierung fixierten Kapitalismus grundsätzlich in Frage und kritisiert die Politik, die nicht mehr führe, sondern sich den Konzernen andiene. Regierungen müssten endlich begreifen, dass der Klimawandel real, dringlich und existenzbedrohend ist und den Mut haben, „deutlich mehr zu verbieten und die Interessen der Mehrheit viel stärker vor der Gier der Wenigen zu schützen“ (S. 138). Maxton spricht von einem „suizidalen Wirtschaftssystem“ (S. 145), das sich entweder verändern oder an sich selbst zugrunde gehen werde. Die Menschheit müsse „ihre Vorstellung von Fortschritt neu definieren“ (S. 145). Kritik übt der Autor auch an Umwelt-NGOs, die sich häufig damit begnügen, Einzelmaßnahmen vorzuschlagen, ohne die systemisch notwendigen Veränderungen zu sehen.

Maxton schwebt eine „Gleichgewichtsökonomie“ vor: mit „lokalerer Landwirtschaft“, „Nutzung elektrischer Antriebssysteme unter Einsatz erneuerbarer Energien“,  „Herstellung von Geräten aus recycelten Metallen und anderen Werkstoffen“ sowie neuen Dienstleistungen, um beispielsweise „den Prozess für gemeinschaftliche Verwendungen der produzierten Güter zu steuern“ (S. 146).

Die Hauptverantwortung sieht Maxton bei der Politik (er setzt dabei auf neue politische Eliten), aus systemischer Sicht seien jedoch alle Bereiche gefordert, an der Wende mitzuwirken, wie der Autor an einer „To-Do-Liste“ (S. 126ff.) festmacht. Als BürgerInnen sollen wir uns kollektiv als „Aktivisten, Aktionäre und Wähler für radikale Reformen des wirtschaftlichen und politischen Systems“ engagieren. Helfen könne auch ein „Konsumentenstreik“. „Führungskräften in schmutzigen Industrien“ empfiehlt Maxton, sich einen guten Anwalt zu suchen, da zukünftig ökologische Zerstörungen eingeklagt würden. Hier sei die Justiz gefordert. Vom Bildungssystem, den Medien und religiösen Gruppen erwartet der Autor, dass sie die Notwendigkeit des radikalen Umdenkens vermitteln.

Maxton denkt systemisch radikal und konsequent. Das Buch ist eine Art Streit- oder Aufweckschrift. Wem die Vorschläge etwas flapsig erscheinen, dem seien zusätzlich Maxtons frühere Bücher „Ein Prozent ist genug“ und „Die Wachstumslüge“ empfohlen, in denen detaillierte Vorschläge zum Umbau unserer Wirtschaften und Sozialsysteme unterbreitet werden.

Von Hans Holzinger

 

Maxton, Graeme: Change! Warum wir eine radikale Wende brauchen. München: Komplett Media, 2018. 159 S., € 18,- [D], 18,50 [A]

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