Bildung in der Weltgesellschaft

Bildung und Erziehung werden zwar allenthalben als Schlüsselfaktoren zukünftiger Entwicklung im Kontext der Globalisierung gehandelt, tatsächlich aber werden pädagogische Konsequenzen der Internationalisierung gesellschaftlicher Verhältnisse (zumindest im deutschen Sprachraum) bislang kaum diskutiert. Klaus Seitz ist als Studienleiter am Zentrum f. Entwicklungsbezogene Studien in Stuttgart, als Redakteur der „epd-Entwicklungspolitik“ sowie als Konsulent diverser NGOs mehrfach berufen, sich diesem Zusammenhang zu stellen und Perspektiven in Richtung „weltgesellschaftlicher Bildung“ auszuloten. Und er tut dies – es sei vorweggenommen – gerade auch im Bewusstsein der aktuell gegebenen Begrenzungen des Gegenstandes – mit Bravour.

Einleitend diskutiert Seitz die Globalisierung als pädagogisches Problem und skizziert darüber hinaus Grundlinien der Globalisierungsforschung. Konturen der Weltgesellschaft lotet der Autor primär in Anlehnung an N. Luhmanns Systemtheorie aus und kommt in diesem Zusammenhang zu dem Befund, dass auch von Seiten der Soziologie noch wenig Befunde zum Thema vorliegen. Aber auch im Blick auf die Pädagogik seien Mängel offenkundig. Globales Lernen hätte weltweite Zusammenhänge und ganzheitliche Lernverfahren gleichermaßen in den Blick zu nehmen. Weder die Hoffnung auf die Entwicklung eines „planetarischen Bewusstseins“ noch das Küng’sche „Weltethos“ könnten Alternative zu einer „Pädagogik der Vielfalt“ bieten, ist Seitz überzeugt. Im Anschluss an D. Selby unterscheidet der Autor – vgl. v. a. S. 402 – eine räumliche, sachliche, zeitliche und innere Dimension Globalen Lernens und ordnet diesen jeweils entsprechende Kenntnisse, Fähigkeiten, Einstellungen und Bildungsziele zu. In Ergänzung und Präzisierung von Prinzipien, die dem Bildungsideal der Aufklärung verpflichtet sind, erörtert der Verfasser schließlich Grundlagen einer „weltbürgerlichen Erziehung in Zeiten der Globalisierung.“ Zugleich ist er sich der Tatsache bewusst, dass die Chancen für ein derartiges Projekt nicht gut stehen. Zwar sei „weltweit eine Neuordnung der nationalen Erziehungsverhältnisse auszumachen, diese ziele jedoch nicht auf die Stärkung des sozialen Zusammenhalts, sondern sei vorrangig der Erfüllung ökonomischer Leitziele verpflichtet (vgl. S. 335). Unter diesen Prämissen hat, bestätigt v. a. auch durch die jüngsten globalen Entwicklungen, „weltgesellschaftliche Bildung“ keinen guten Stand. Um so wichtiger sind Arbeiten wie diese. W. Sp.

Seitz, Klaus: Bildung in der Weltgesellschaft. Gesellschaftstheoretische Grundlagen Globalen Lernens. Frankfurt/M.: Brandes & Apsel, 2002. 492 S., € 29,90 ISBN 3-86099-758-0

Related Posts

nussbaumer-hoffnungstropfen
Hoffnungstropfen
Perspektive-wechseln-Jahrbuch
Perspektive wechseln
Wissenswelten
Von der Risikogesellschaft zur Chancengesellschaft

Leave a Reply