Bedingungen der Freiheit & die Zivilgesellschaft

Der prominente Kulturphilosoph macht sich in diesem Buch auf die Suche nach der idealsten, der am wenigsten destruktiven und der die Freiheit am wenigsten einschränkenden Gesellschaftsform. Dabei bietet er keine Lösung, ohne sich gründlich – für manchen vielleicht sogar etwas zu gründlich – mit historischen und theoretischen Aspekten auseinanderzusetzen und gerade die jüngste Vergangenheit und die Gegenwart ausführlich zu analysieren. Trotz schonungsloser Abrechnung mit Marxismus und Sozialismus gelangt der Autor zu dem Schluß, daß Wert oder Unwert einer Kontrolle von der Art der Kontrolle abhängen und nicht von der Kontrolle selbst, denn die Frage sei nicht ob, sondern welche Art von Sozialismus. Die von Gellner propagierte Zivilgesellschaft hat ihre Wurzeln schon im Protestantismus bzw. Liberalismus und entwächst in neuester Zeit im Osten als neues Ideal, als Gegenvision zum zutiefst zerstörerischen Terror des Stalinismus und zur Verwahrlosung der Breschnew-Jahre.

Die Trennung von ökonomischer und militärischer Macht und das Fehlen einer starren Ideologie sollen ohne politisches und institutionelles Monopol gesellschaftlichen und intellektuellen Pluralismus und insbesondere Wirtschaftspluralismus ermöglichen. Gefragt sei der modulare, flexible Mensch, der sich – ohne tödlichen Ernst zu entwickeln und dem Zugeständnis, sich auch irren zu können – verschiedenen Überzeugungen und gesellschaftlichen Organismen anpassen kann, und dem es gelingt “Verbindungen herzustellen, die funktionieren, obwohl sie flexibel, spezifisch und instrumentell sind”, denn “die Wirtschaft muß frei genug sein, die Basis pluralistischer Institutionen zu bilden, aber nicht mächtig genug, um unsere Welt zu zerstören”.

Etwas störend empfinde ich die Selbstgefälligkeit, die eine moralische und intellektuelle Überlegenheit der” freien Welt” zur Schau stellt und dabei die Schattenseiten der eigenen Kultur und Gesellschaft weitgehend außer acht läßt.

B. Ö.

Gellner, Ernst: Bedingungen der Freiheit. Die Zivilgesellschaft und ihre Rivalen. Stuttgart: KlettCotta, 1995.2355., DM / sFr 38,-/ ÖS296,

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