Zero Waste in Theory and Practice

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Zero Waste in Theory and Practice

Das Rachel Carson Center for Environment and Society in München dokumentiert seine wissenschaftlichen Diskurse in einer digitalen Reihe und bietet damit eine Plattform, um sich über Interdependenzen zwischen Umweltveränderungen und sozialen Entwicklungen zu informieren. Zu dieser Serie zählt auch der englischsprachige Band „A Future Without Waste? Zero Waste in Theory and Practice“, welcher ausgewählte Konferenzbeiträge aus dem Jahr 2014 strukturiert.

Der Herausgeber Christof Mauch erklärt vorab, dass das Konzept „Zero Waste“ idealtypisch als geschlossener Nutzungskreislauf definiert wird: Es bleibt kein Müll übrig, wenn Produktbestandteile von Vornherein auf eine Wiederverwendung hin konzipiert werden, wenn also eine allumfassende Neuverwertung genutzter Materialien stattfindet. Abfall ist nach diesem Verständnis die Konsequenz mangelnder oder verweigerter Logistik. Mauch erkennt Zero Waste aber vor allem auch als eine philosophische Grundeinstellung, die über diese organisatorische Frage hinausgeht und mannigfaltige Bedeutungsebenen aufweist.

Tian Song über thermodynamische Grundsätze

Tian Song stellt sich im einleitenden Essay gegen die Annahme, dass Müll durch Recycling und Wiederverwendung ausnahmslos beseitigt werden könne. Auf Basis thermodynamischer Grundsätze betont der chinesische Philosoph vielmehr, dass die Idee einer absolute Zero-Waste-Gesellschaft als Illusion erkannt werden muss. Aber er versteht das Konzept als wertvollen Ansatz, um zu einer „ecological civilization“ zu gelangen, einer postindustriellen Gesellschaft, die Priorität auf Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit legt. Dieses Ideal einer ökologischen Zivilisation im Kopf, plädiert Song für eine gesellschaftliche Neuausrichtung. Er spricht sich für eine Umwertung sozialer, ökonomischer und rechtlicher Strukturen aus, für das kritische Prüfen der Rolle von Wissenschaft und Technik, wie auch unseres eigenen Denkens. Durch eine solche Kultur- und Ideologierevolution könne eine neue Gesellschaft entstehen, “one in which the population is stable around a constant number and humans live a stable life by producing the same products every year, within a stable environment. Their happinesswould not depend on having the newest iPhone model, but on spiritual creation, such as poems, painting, and music.” (S. 23) Song deklariert das Konzept Zero Waste als praktisch unmöglich, befürwortet aber eine entsprechende Ausrichtung, um eine neue Welt zu kreieren, um die Erde zu retten.

Visionen für die Zukunft, Lehren aus der Vergangenheit und praktische Ansatzmöglichkeiten für ein Leben ohne Müll – sechs weitere Beiträge aus unterschiedlichen Fachgebieten widmen sich innerhalb dieser Dreigliederung der Thematik Zero Waste. Mit einem disziplinübergreifenden Rundtischgespräch endet das Buch, welches vielschichtige Sichtweisen anbietet und kostenfrei abzurufen ist unter: www.environmentandsociety.org.

 

Mauch, Christof (Hg.): A Future Without Waste? Zero Waste in Theory and PracticeRCC Perspectives: Transformations in Environment and Society 2016/3. München: Rachel Carson Center for Environment and Society, 2016. 102 S.

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