Krise der kapitalistischen Wachstumsgesellschaft

Krise der kapitalistischen Wachstumsgesellschaft Ralf Fücks setzt stark auf ökologische Innovationen technologischer Art. Einen ganz anderen Zugang wählt der Band „Anders wachsen“, der von Oikos Leipzig in Kooperation mit der Universität Leipzig, der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen und der Rosa Luxemburg-Stiftung herausgegeben wurde.

Darin finden sich Ansätze von Autoren und Autorinnen in kompakter Form, die diese anderswo ausführlicher dargestellt haben. Etwa das Paradigma der „Externalisierungsgesellschaft“ im modernen Wohlstandskapitalismus von Stephan Lessenich (s. PZ 4/2017) sowie jenes der „imperialen Lebensweise“ von Markus Wissen und Ulrich Brand (S. PZ 4/2017), der soziologische Ansatz der „Resonanz“, den Hartmut Rosa der „Reichweitenvergrößerung“ entgegensetzt, das Gemeinwohl-Konzept der „Ecommony“ von Friedrike Habermann oder die „Vier-in-einem-Perspektive“ der feministischen Soziologin Frigga Haugg, die auf eine radikale Arbeitszeitverkürzung setzt. Der „Ethische Welthandel“  (s. PZ 4/2017) von Christian Felber als Alternative zu Freihandel und Protektionismus  findet ebenso Platz wie die Kritik von Fücks Kollegin Barbara Unmüßig an der „Grünen Ökonomie“; ebenso ein Plädoyer der Linksabgeordneten Katja Kipping für ein „Grundeinkommen als Demokratiepauschale“.

Einblick in aktuelle Transformationsszenarien

Näher eingegangen sei – die Auseinandersetzung mit den grünen Techno-Hoffnungen zuspitzend – auf Niko Paechs Analyse unserer „industriellen Fremdversorgungssysteme“. Paech verweist auf systemische Barrieren, die er in der Kluft zwischen der Reichweite menschlicher Handlungen in Zeit und Raum und dem Wissen über die möglichen Handlungsfolgen ausmacht. Alles Reden über und Hoffen auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit sei vergebens, wenn diese strukturellen Inkompatibilitäten außer Acht gelassen werden: „Diese beste aller Welten – eine moderne Wohlstandsmaschine, deren Komplexität sich gleichzeitig verantwortbar gestalten lässt – entpuppt sich als unerfüllbares Versprechen.“ (S. 201) Die chronische Unkenntnis unbeabsichtigter Nebenfolgen führe zur Aufblähung und Verschachtelung von Risiken, zu einer „Verantwortungslücke“ bzw. einem „ethischen Vakuum“ (Hans Jonas). Die Reduktion externer Effekte sei nur möglich um den Preis, „das entgrenzte Fremdversorgungssystem in einen kleinräumigeren Zustand zurückzuversetzen“ (S. 215). Es gehe dabei um „Dosierung statt Optimierung“ (S. 216) und das Erkennen von „Small is beautiful“. Paech würdigt Ansätze wie die Gemeinwohlökonomie oder Unternehmensverantwortung; sie würden aber nur mit einer radikalen Regionalisierung des Wirtschaftens reüssieren.

Resümee: Der Band gibt einen guten Einblick in aktuelle ökologische und sozial-kulturelle Transformationsszenarien jenseits des wachstumsorientierten Konsumkapitalismus – ob grün oder nicht.

Hans Holzinger

 

Bei Amazon kaufenAnders wachsen! Von der Krise der kapitalistischen Wachstumsgesellschaft und Ansätzen einer Transformation. Hrsg. v. Maximilian Becker …München: oekom, 2018. 300 S., € 19,- [D], 19,60 [A] ISBN 978-3-96238-031-1

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