Wirtschaft im Zukunftscheck

Grüne Transformation

Ralf Fücks war von 1996 – 2017 Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung und als solcher ein vehementer Verfechter einer „Green Economy“ (s. PZ 2/2014) in Fortführung etwa des Ansatzes einer ökologischen Modernisierung der Industriegesellschaft, wie ihn Martin Jaenicke propagierte. Der Ansatz „grünen Wachstums“ hat prominente Kritiker wie Niko Paech (s. u.), war aber auch in der Heinrich-Böll-Stiftung nie unumstritten (s. PZ 1/2016).

Im vorliegenden Band versammelt Fücks Experten und Expertinnen, die nachhaltige Zukunftspfade in Bereichen wie Mobilität, Wohnen und Agrarwirtschaft, Chemieindustrie und Maschinenbau entwerfen. „In einer schrumpfenden Ökonomie schrumpfen auch die Investitionen, die Innovationsrate sinkt.“ (S. 9) Damit argumentiert der Herausgeber die Notwendigkeit einer „grünen industriellen Revolution“; diese sei das „Gegenteil einer Postwachstums-Strategie“ (ebd.) Die Beiträge des Bandes zeigen Zukunftswege auf, etwa durch eine andere Landwirtschaft – Franz Theo Gottwald  plädiert für die Abkehr von der Massentierhaltung (Fücks Begriff der „De-Intensivierung der Tierproduktion“ mag dabei etwas irritieren) –  eine „Finanzwende“ (Gerhard Schick) oder eine andere Mobilität. Weert Canzler und Andreas Knie skizzieren einmal mehr den Übergang zu vernetzten Mobilitätssystemen mit E-Fahrzeugen als wichtigen Bestandteil. Viele der Beiträge verweisen – anders als die euphorische Einleitung von Fücks vermuten lässt – auf die Barrieren und Grenzen nachhaltiger Transformation, etwa in der Chemieindustrie.

Barbara Zeschmar-Lahl macht deutlich, dass der Übergang zur „organischen Chemie“ bei den derzeitigen Erdölpreisen viel zu teuer ist und letztlich auch auf Kohlenstoff, also Biomasse, angewiesen sei. Von der CO2-neutralen Produktion von Stahl sind wir noch weit entfernt, führt Michael Weltzin aus. Ebenso wenig nachhaltig wäre es, den heutigen PKW-Bestand einfach auf Elektroantrieb umzustellen, allein wegen des Lithiumverbrauchs der Akkus (auch wenn hier noch bessere Technologien gefunden werden können). Dass Flugzeuge künftig aus  leichteren Werkstoffen gebaut und andere Antriebe erhalten sollen, löst ebenso wenig die Probleme einer räumlich entgrenzten Ökonomie. Hans Holzinger

 

Bei Amazon kaufenWirtschaft im Zukunftscheck. So gelingt die grüne Transformation. Hrsg. v. d. Heinrich-Böll-Stiftung. München: oekom, 2017. 232 S., € 19,95 [D], 20,60 [A] ISBN 978-3-96006-008-6

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